Test in Abu Dhabi: Probleme mit kühlen Heizdecken

Problem Reifen-Luftdruck und Temperatur
Test mit kühleren Heizdecken

Die Formel 1 ist die einzige größere Rennserie weltweit, in der Heizdecken noch erlaubt sind. Doch auch in der Königsklasse sind die Tage der Reifenwärmer gezählt. Die FIA plant sie aus Kostengründen bis 2024 schrittweise abzuschaffen. Die erste Stufe ist bereits für die kommende Saison geplant. Regenreifen dürfen dann gar nicht mehr vorgeheizt werden. Für die Slicks darf jedes Team nur noch 20 statt 40 Sätze Heizdecken verwenden.

Aber auch am Temperaturregler wird geschraubt. Wurden die Reifen bisher noch bis auf 100°C vorne, bzw. 80°C hinten, vorgewärmt, sind mit Einführung der neuen 18-Zöller auf beiden Achsen nur 70°C erlaubt. "Wir haben bei der Entwicklung der Reifen ein besonderes Augenmerk auf den Aufwärmprozess gelegt. Bei der Erweiterung des Arbeitsfensters durfte dieser Aspekt nicht leiden", berichtet Pirelli-Sportchef Mario Isola.

McLaren - Reifentest - Abu Dhabi - 2021
Motorsport Images

Erste Erfahrung aus Abu Dhabi

Bei den Testfahrten in Abu Dhabi im Anschluss an das Saisonfinale bekamen die Piloten nun die erste Gelegenheit, das fertige Produkt auszuprobieren. Und natürlich wurden auch die Heizdecken auf die künftig geltenden Vorgaben eingestellt. "Die Fahrer haben uns erzählt, dass es auf den zwei härtesten Mischungen einige Runden gedauert hat, bis die Reifen ins Arbeitsfenster kamen", so Isola.

Allerdings sind die Sorten C1 und C2 auch nicht ideal für den Wüstenkurs geeignet. Mangels schneller Kurven ist es hier für die Piloten besonders schwer, Temperatur zu generieren. Ein weiteres Problem sind die neuen Bremsen. Früher haben die Ingenieure die Abwärme der Karbonstopper clever in die Felgen geleitet, um die Reifen von innen aufzuheizen. Das ist künftig nicht mehr möglich. Die Bremsen, die Felgen und die neuen Radkappen sind Standardteile, die von Zulieferern kommen.

"Künftig transferieren die Bremsen nicht mehr so viel Hitze in die Felgen. Es befindet sich mehr Luft rund um die Scheiben. Wir haben die Teams bei den Testfahrten deshalb angewiesen, mit maximaler Bremskühlung zu fahren, um diese Änderung zu simulieren", erklärt Isola.

Mercedes - Reifentest - Abu Dhabi - 2021
Motorsport Images

Größere Unterschiede beim Luftdruck

Neben dem längeren Aufwärmprozess gibt es für die Ingenieure noch ein zweites Problem: Der Luftdruck verändert sich vom Losfahren in der Garage bis zum Erreichen der idealen Arbeitstemperatur auf der Strecke stärker, wenn die Heizdecken kühler sind. "Wir sprechen hier von einer Erhöhung von vier bis fünf PSI im Vergleich zum Startdruck", so Isola.

Die Piloten müssen sich damit zu Beginn ihrer Stints auf wechselnde Gripverhältnisse einstellen. Neben einer Tendenz zu mehr Untersteuern haben einige Piloten in Abu Dhabi übrigens auch von einer stärkeren Verbremser-Gefahr berichtet. Pirelli ließ deshalb den Mindestluftdruck in der Nacht zum zweiten Testtag von 21,5 PSI auf 20,0 PSI absenken, um die Auflagefläche der Reifen zu vergrößern.

Auf der Hinterachse hatte Pirelli den Luftdruck im Vergleich zum vorangegangenen Grand Prix schon vorher reduziert. Von 20,0 PSI ging es auf 17,0 PSI nach unten. "Der neue Hinterreifen ist von der Konstruktion robuster. Deshalb kann niedrigerer Druck gefahren werden", so Isola. Beim nächsten Test in Barcelona Ende Februar, bei dem die Reifen erstmals auf die neuen Autos geschnallt werden, werden die Ingenieure wohl ein besonderes Augenmerk auf die Luftdrücke und die Temperaturen legen.

Alpine - Formel 1 - Testfahrten - Abu Dhabi - 14.12.2021
xpb

Neue Autos mit anderem Charakter

Isola ist schon gespannt auf die Daten: "Ich kann es kaum erwarten zu sehen, wie die Reifen an den 2022er Autos funktionieren. Was die Aerodynamik und den Abtriebslevel angeht, ist es ein großer Unterschied zu früher. Ich erwarte, dass die neuen Autos weniger Abtrieb in langsamen Kurven und mehr Abtrieb in schnellen Kurven haben. So etwas kann man mit den Mule-Cars leider nicht simulieren."

Und noch ein weiterer Aspekt ist neu: Die 2022er Autos müssen ein Mindestgewicht von 795 Kilogramm auf die Waage bringen – 43 Kilo mehr als bisher. Davon geht ein nicht unerheblicher Teil auf die größeren Räder zurück. "Die Felgen sind vorne 2,5 Kilo schwerer, hinten sind es sogar 3 Kilogramm mehr", rechnet Isola vor. "Die Fahrer haben uns berichtet, dass man das Mehrgewicht sogar im Lenkrad spürt."