Es ist wieder so weit. Am Wochenende gastiert die Formel 1 im Tempo-Tempel von Monza. Ein Vollgasanteil von rund 85 Prozent gemessen auf die Rundendistanz und Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 260 km/h sprechen eine deutliche Sprache. Nirgendwo sonst im Kalender stehen die Piloten so lange auf dem Gaspedal.
Das ungewöhnliche Layout, das eigentlich nur aus Geraden besteht, die durch drei Kurven und drei Schikanen unterbrochen werden, ist immer wieder ein Garant für Action. Die Fans können sich hier jedes Jahr auf heiße Windschattenschlachten freuen. Wer nicht genug Topspeed generiert, wird für die Konkurrenz zur leichten Beute.

Der auffällige Monza-Flügel von Red Bull hatte schon in Spa einen Kurzauftritt.
Red Bull fährt Wellenflügel
In Monza braucht es einerseits einen leistungsstarken Motor, der vor allem am Ende der Geraden ordentlich anschiebt, und eine windschlüpfige Verkleidung. Die Autos werden stets mit ultraschmalen Flügeln bestückt, die möglichst wenig Luftwiderstand produzieren. Theoretisch könnten die Rennwagen auch ganz ohne Heckflügel fahren, sagen die Ingenieure. Der Unterboden generiert genügend Anpressdruck.
Wir haben uns am Donnerstag (29.8.) in der Boxengasse umgesehen, was sich die Ingenieure dieses Jahr ausgedacht haben, um ihre Raketen möglichst schnell über die Geraden fliegen zu lassen. Dabei ist natürlich vor allem der Blick auf die Heckflügel interessant. Viele Teams bringen jedes Jahr Spezial-Flügel, die nur in Monza zum Einsatz kommen, und danach direkt in den Mülleimer wandern.
Bei Red Bull sah man in der Garage einen alten Bekannten. Der extreme Low-Downforce-Flügel des Weltmeisters feierte schon im Training von Spa-Francorchamps einen Kurzeinsatz, wurde dann vor dem Belgien-Qualifying aber wieder eingepackt, weil er zu wenig Abtrieb bot. Das Modell ist gut an den drei extremen Ausschnitten in der oberen Kante des Flaps zu erkennen. Solch eine Lösung fährt sonst kein anderes Team.

Ferrari fährt ein extrem flaches Heckflügel-Modell, mit dem die Piloten über die Geraden fliegen dürften.
Ferrari mit flachem Surfbrett
Ferrari hat für sein Heimspiel auch einen Spezial-Flügel gebacken, der aber ohne Ausschnitte auskommt. Er erinnert eher an ein extrem flaches Surfbrett. Das Hauptblatt gibt dem Wind praktisch überhaupt keine Angriffsfläche. Und auch der Flap ragt in einem ultraflachen Winkel nach oben. Eine Gurney-Kante, die den Abtrieb und den Luftwiderstand erhöhen würde, gibt es im Gegensatz zu den Modellen der Konkurrenz auch nicht.
McLaren hat ein ähnlich radikales Modell im Angebot, das am Donnerstag aber nur auf das Auto von Lando Norris geschraubt wurde. Offenbar trauen die Ingenieure dem Braten selbst nicht ganz. Deshalb ist der Renner von Oscar Piastri mit einem eher konventionellen Modell bestückt, das auch auf anderen Low-Downforce-Strecken, wie Spa-Francorchamps, Baku oder Las Vegas zum Einsatz kommen könnte.
Um das Überholen in Monza zu erleichtern, sind zwei lange DRS-Zonen eingerichtet. Weil die radikalen Flügel aber schon in der Normalstellung sehr wenig Luftwiderstand produzieren, ist der DRS-Effekt so gering wie auf keiner anderen Strecke im Kalender. In der Galerie zeigen wir Ihnen den Monza-Flügel von Alpine in geschlossenem und geöffnetem Zustand.