Franco Colapinto: Wo fährt der Williams-Pilot 2025?

Zukunftspläne von Franco Colapinto
„Ich bin gekommen, um zu bleiben“

Die Worte von James Vowles lösten ein mittelschweres Erdbeben in der deutschsprachigen Formel-1-Welt aus. Der Williams-Teamchef hatte sich vor gut zwei Monaten in Monza zum Rausschmiss von Crash-Pilot Logan Sargeant äußern müssen. Er hatte sich für seinen eigenen Junior Franco Colapinto als neuen Mann im zweiten Auto entschieden. Und gegen Mick Schumacher.

Das stieß auf ein breites Medienecho. Vor allem als dem langjährigen Mercedes-Teamchef folgender Satz über die Lippen huschte: "Wir müssen da ganz ehrlich sein, Mick und Franco fallen in die Kategorie gut, aber nichts Besonderes." In Deutschland kam das nicht gut an. Vowles ruderte noch am selben Tag zurück, um die Wogen zu glätten.

Franco Colapinto - Williams - GP Italien - Formel 1 - Monza - 31. August 2024
xpb

Colapinto überzeugt

Doch was im Spätsommer von Monza dabei fast unterging, war die Tatsache, dass der Engländer auch Colapinto als "nichts Besonderes" eingestuft hatte. Der Argentinier hinterließ aber auf Anhieb seine Fußspuren und lief in Italien auf Platz zwölf ein. Die Experten im Fahrerlager hatten das Debüt des 21-Jährigen positiv bewertet.

Trotz eines Crashes im Training von Baku beim darauffolgenden Grand Prix, schaffte Colapinto in Aserbaidschan mit Rang acht das erste Mal den Sprung in die Punkte. In Austin sammelte er einen weiteren Zähler für die Traditionstruppe aus Grove.

Das brachte auch die Konkurrenz auf den Plan. Vor allem Red Bull und Alpine sollen die Fühler nach Colapinto ausgestreckt haben und das, obwohl sie für 2025 bereits besetzte Cockpits haben. Aber vor allem Sergio Perez wackelt trotz bestehenden Vertrags weiterhin.

Franco Colapinto - GP Italien 2024
Wilhelm

Bleibt Colapinto in der Williams-Familie?

Sollte Red Bull den Mexikaner rausschmeißen, könnte es zum Stühlerücken kommen. Sowohl die Toro-Rosso-Piloten Yuki Tsunoda als auch Liam Lawson schielen auf den Platz im A-Team. Auch Colapinto scheint ein Kandidat zu sein. Bekommt er bei einem Perez-Rauswurf nicht das Red-Bull-Cockpit, könnte er bei Toro Rosso andocken.

In Las Vegas zeigte er sich am Medientag (20.11.) offen über seine Formel-1-Karriere. "Ich weiß wirklich nicht, wie meine Zukunft aussehen wird. Mein Manager befindet sich im Austausch mit James (Vowles). Mein Ziel ist natürlich klar: Ich bin hier nicht hergekommen, um ein paar Rennen zu fahren. Ich bin gekommen, um zu bleiben."

Colapinto ist bewusst, dass für 2025 Alexander Albon und Carlos Sainz als Stammfahrer bei Williams gesetzt sind. Einen Teamwechsel schließt der Mann aus Buenos Aires deshalb nicht aus. Der seit diesem Jahr als Alpine-Berater tätige Flavio Briatore soll ebenfalls bei Colapinto angeklopft haben. Doch auch die Franzosen haben dasselbe Problem wie Red Bull und Toro Rosso: Mit Pierre Gasly und der Beförderung von Jack Doohan ist kein Platz in der Equipe frei.

Franco Colapinto - GP Brasilien 2024
Wilhelm

Rückschlag in São Paulo

Vielleicht ging der kometenhafte Aufstieg Colapintos auch für ihn etwas zu schnell. In seinem Heimatland Argentinien hat er einen Boom ausgelöst. Beim letzten Grand Prix in Brasilien menschelte es jedoch: Sowohl im verregneten Qualifying als auch im Rennen feuerte er den FW46 in die Wand und bescherte seinen Mechanikern drei anstrengende Wochen, um das Chassis wiederaufzubauen. In Las Vegas lobte er die Williams-Crew für ihren Einsatz: "Ich bedanke mich vor allem bei meinen Jungs, die das Auto wieder aufgebaut haben. Sie sind die wahren Helden."

Für den Überflieger war Brasilien ein Rückschlag, doch das ist abgehakt und kratzt nicht am Selbstbewusstsein von Argentiniens neuem Liebling. "Du bist nur so gut, wie dein letztes Rennen und das war nicht gut. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir in Las Vegas ein gutes Auto haben und auch für die letzten Grands Prix sind wir gut aufgestellt. Wir wollen das Jahr auf einem Hoch beenden."

Wenn Williams und Colapinto das gelingt – und Brasilien nur ein Ausrutscher war – hält der Rookie für seine Formel-1-Zukunft weiterhin gute Karten in der Hand. "Wenn es 2025 nicht mit einem Cockpit klappt, dann will ich spätestens 2026 Stammfahrer sein."