FIA-Report zu Gasly-Zwischenfall: Neue Prozeduren

FIA-Report zu Gasly-Zwischenfall
Bergekran zu früh auf der Bahn

GP Japan 2022

Es hat etwas gedauert, bis die FIA im Fall der Bergekran-Affäre von Japan reagiert hat. Zunächst sah es so aus, als wollte man Pierre Gasly die Schuld für die gefährliche Szene in der zweiten Runde in die Schuhe schieben. Der Alpha-Tauri-Pilot war auf feuchter Bahn und bei schlechter Sicht mit 163 km/h an einem Bergekran vorbeigerast, der den havarierten Ferrari von Carlos Sainz abschleppte.

Die Szene erinnerte an den tödlichen Unfall von Jules Bianchi, der 2014 ebenfals in Suzuka mit einem Bergefahrzeug kollidiert war und später seinen schweren Kopfverletzungen erlag. Erst nach heftigem Protest der Fahrer und der Teams kündigte der Welverband schließlich eine Untersuchung der Szene an. Diese fiel dann immerhin sehr gründlich aus.

Dabei wurde der zeitliche Ablauf der Ereignisse genau rekonstruiert, der dazu führte, dass ein Auto mit hoher Geschwindigkeit an einer Gefahrenstelle vorbeiraste. Grundlegend wurde diesbezüglich erst einmal festgestellt, dass die FIA-Verantwortlichen alle vorgeschriebenen Prozeduren eingehalten hätten. Der Bergekran wurde in Kurve 12 erst auf die Bahn geschickt, nachdem das Rennen per Safety-Car neutralisiert war.

Safety Car - GP Japan 2022 - Suzuka
Wilhelm

Rennleitung übersieht Gasly

Allerdings wurde im Report auch zugegeben, dass die Rennleitung Pierre Gasly in den entscheidenden Momenten nicht auf dem Radar hatte. Der Franzose musste die Box ansteuern, weil er in der Startrunde mit einer Werbebande kollidiert war und sich der Fremdkörper in seinem Frontflügel verhakt hatte. Nach dem Stopp hechelte der Alpha Tauri dem Feld mit hoher Geschwindigkeit hinterher, um schnell Anschluss herzustellen.

Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass der Bergekran zu früh auf die Strecke geschickt wurde – vor allem auch unter Berücksichtigung der widrigen Strecken- und Wetterbedingungen. Außerdem musste die FIA-Kommission zugeben, dass die Rennleitung bei einer Neutralisation zwar Kontrolle über die Autos direkt hinter dem Safety-Car habe, aber nicht über Autos, die sich an anderen Streckenabschnitten befinden.

Die FIA verwies aber auch darauf, dass Fahrer ebenfalls eine Verpflichtung haben, ihr Tempo bei gelben Flaggen, Safety-Car-Phasen oder vor einem Abbruch eigenständig zu drosseln und vernünftig zu handeln. Dabei wurde noch einmal festgestellt, dass Gasly bei seiner Aufholjagd zwischenzeitlich auf über 200 km/h beschleunigt habe.

Carlos Sainz - GP Japan 2022
Motorsport Images

Verbesserte Abläufe und Technik

Auch Pirelli wurde in die Verantwortung genommen. Die Fahrer hatten die Performance der Reifen bei feuchten Bedingungen kritisiert. Eine entsprechende Untersuchung ist aber noch nicht abgeschlossen. Dazu will die FIA die Werbebanden am Streckenrand auf ihre Platzierung und die verwendeten Materialen überprüfen, damit sie nicht mehr wie im Fall von Gasly abgerissen und am Auto hängen bleiben. Zu guter Letzt wurden auch noch die Streckenbetreiber beauftragt, Verbesserungen bei der Drainage vorzunehmen.

Dazu hat die Untersuchungskommission eine ganze Reihe von Verbesserungsvorschlägen bei den Abläufen in vergleichbaren Situationen gemacht. So sollen die Teams zum Beispiel auf dem Ereignismonitor sofort darüber informiert werden, wenn sich Bergefahrzeuge auf der Strecke befinden. Die Teams sind dann verpflichtet, diese Informationen an die Fahrer weiterzuleiten.

Der Rennleitung sollen künftig neue Systeme zur Verfügung stehen, um die Position aller Autos auf der Strecke besser zu tracken – auch die Autos, die sich in der Box befinden. Der Report empiehlt darüber hinaus, die Aufgaben bei der Überwachung des Feldes in Safety-Car-Phasen in der Rennleitung besser aufzuteilen, damit nichts übersehen wird.

Pierre Gasly - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Japan 2022 - Suzuka
Motorsport Images

Suzuka-Rennleiter aus dem Spiel

Der Weltverband kündigte auch an, dass bald eine neue Technik eingeführt werden soll, mit der den Piloten flexible Geschwindigkeitsvorgaben auf dem Lenkrad-Display angezeigt werden können. Ein sogenanntes "Dynamisches VSC" soll die Delta-Zeit direkt an den Unfallstellen automatisch verkleinern. Fahrer werden dadurch besser informiert, in welchen Abschnitten Gefahr droht.

Die ganze Angelegenheit und die Ergebnisse des Reports sollen im Fahrer-Briefing von Austin noch einmal mit den Piloten diskutiert werden. Das Meeting wird Niels Wittich halten, der die Rolle des Rennleiters künftig alleine übernimmt. Co-Rennleiter Eduardo Freitas, der in Suzuka die Verantwortung trug, wird in den letzten vier Rennen des Jahres nicht mehr eingesetzt.

Darüber hinaus teilte die FIA auch noch mit, dass man das Sportliche Reglement in den Paragraphen zur Punktevergabe und der erlaubten Rennzeit anpassen will. Es soll nicht noch einmal zu Irritationen wie in Japan kommen, wo keiner genau wusste, wann das Rennen genau beendet wird und wie viele Punkte für die ersten zehn Piloten verteilt werden.