Ferrari-Technikchef Cardile: "2024 wird ein Neustart"

Ferrari-Technikchef Enrico Cardile im Interview
„Auto für 2024 wird ein Neustart“

Welche Idee steckte hinter dem Ferrari SF-23, und wie hat sich das Auto während der Saison entwickelt?

Cardile: Das 2023er-Auto war eine Weiterentwicklung des 2022er-Autos. Wir haben versucht, einige Schwachstellen des Vorgängers zu kurieren. Im Großen und Ganzen haben wir unsere Ziele erreicht. Das Auto benahm sich auf der Rennstrecke so, wie wir es entwickelt hatten und wie es die Simulationen versprachen. Leider haben wir sehr schnell gemerkt, dass wir mit unserer Entwicklungsrichtung bald an Grenzen stoßen würden. Ab diesem Moment haben wir die Ziele der Aerodynamikentwicklung auf den Prüfstand gestellt und Schritt für Schritt in eine andere Richtung umgeleitet. Ein erstes Ergebnis konnten Sie beim GP Spanien mit einem neuen Unterboden und neuen Seitenkästen sehen. Dem folgte in den gleichen Bereichen ein zweiter Schritt beim GP Österreich. Doch dann sind wir an die Grenzen der Architektur unseres Autos gestoßen. Das bestehende Chassis erlaubt uns gewisse Änderungen nicht. Deshalb wird das Auto für 2024 ein Neustart sein. Wir halten an dem Ziel fest, das wir uns nach der ersten Bestandsaufnahme gesetzt hatten. Doch wir mussten erkennen, dass wir das nur mit einem völlig neuen Auto erreichen können.

Welche Dinge konnten Sie mit dem 2023er-Auto nicht umsetzen? Was stand da im Weg?

Cardile: Die Einschränkungen liegen hauptsächlich beim Chassis. Der Hauptunterschied zwischen unserem Auto und dem von Red Bull war das Design der Seitenkästen. Unsere waren voluminöser als die von Red Bull. Der Grund dafür ist, dass wir einen Teil der Seitenkastenverkleidung dazu benutzt haben, um die Verwirbelungen der Vorderreifen besser kontrollieren zu können. Auf der anderen Seite können wir unterhalb des Kühleinlasses die Luft besser zum Heck leiten, um dort mehr Abtrieb zu generieren. Wir müssen dort aber auch spezielle Arbeit aufwenden, um die verwirbelte Luft in den Griff zu bekommen. Mit dieser Art Seitenkasten mussten wir kein Chassis in V-Form bauen. Wir haben alle Steuergeräte einfach unter den Kühlern verstaut. Und wir haben die untere seitliche Crashstruktur deshalb auf die maximal erlaubte Höhe gesetzt. Das hat uns ein günstigeres Design des vorderen Teils des Unterbodens erlaubt. Die Oberfläche gestaltet sich damit viel sauberer. Für ein anderes Seitenkasten-Design musst du einige Dinge ändern. Wenn du die Steuergeräte auf dem Boden platzieren willst, schränkt dich unser Chassis-Design zu stark ein.

Ferrari - Technik - Upgrades - GP Spanien 2023
Motorsport Images

Sie haben während der Saison die Form der Seitenkästen verändert, sie schmaler und länger gemacht. Warum?