Fernando Alonso: Blick in den Rückspiegel

Alonso glaubt nicht an Sieg
„Alle wollen Aston Martin sein“

GP Saudi-Arabien 2023

Die letzte Pole Position von Fernando Alonso liegt elf Jahre zurück. Das letzte Mal in der ersten Startreihe ist eine frischere Erinnerung. Doch als Alonso im letzten Jahr seinen Alpine in Montreal auf den zweiten Startplatz stellte, da wusste der Spanier schon vorher, dass er nicht vom Sieg träumen durfte.

Diesmal ist der Traum ein bisschen konkreter. Alonso sitzt in einem Aston Martin, und der hat in Jeddah seine gute Form von Bahrain noch einmal unterstrichen. Trotzdem warnt der Rekordteilnehmer davor sich jetzt unrealistische Ziele zu setzen. "Red Bull fährt in einer anderen Welt. Es wäre vermessen darauf zu hoffen, dass wir sie im direkten Kampf schlagen. Wenn wir jetzt abheben, wäre das der größte Fehler, den wir machen können."

Das Selbstvertrauen hat trotzdem schon einen gehörigen Sprung gemacht. Als Perez erwähnte, dass trotz Verstappens Missgeschick zwei Red Bull in der ersten Reihe stünden, ein echter und ein grüner, gab Alonso schlagfertig zurück: "Mercedes sagt, dass unser Heck ein Mercedes ist. Es scheint so, als wollten alle plötzlich ein Aston Martin sein."

Fernando Alonso - Aston Martin - Formel 1 - Jeddah - GP Saudi-Arabien - 18. März 2023
xpb

Krack will nicht Zweiter sein

Aston Martin-Teamchef Mike Krack glaubt, dass sein Starpilot bewusst den Ball flach hält: "Wir sind nicht hier, um Zweiter zu werden. Wenn ein Fahrer wie Fernando aus der ersten Reihe startet, dann geht er bestimmt nicht mit dem Ziel ins Rennen Zweiter zu werden. Dann will er mehr."

Der britische Rennstall hat Blut geleckt, weil man es auf dem Papier nur mit einem Red Bull zu tun hat, und das auch noch mit dem vermeintlich schlechteren. Max Verstappen steht 13 Plätze hinter Alonso.

Auch hier unterscheidet sich die Einschätzung von Teamchef und Fahrer. Während Krack glaubt, dass Verstappen es schwer haben wird, sich bis nach vorne zu kämpfen, warnt Alonso: "Max wird uns irgendwann einholen und mindestens auf das Podest fahren. Er ist letztes Jahr mal von Platz 15 gestartet und hat das Rennen trotzdem gewonnen."

Ganz abschreiben will der zweifache Weltmeister seinen 33. GP-Sieg trotzdem nicht. "Die Formel 1 gehorcht nicht Regeln wie die Mathematik. Wer hätte gedacht, dass Max von so weit hinten starten muss? Das Rennen letztes Jahr in Jeddah hat gezeigt, dass man zum Gewinnen viele Dinge braucht. Einen guten Start, eine kluge Strategie, Reifenmanagement und Glück. Checo hat das Rennen verloren, weil zur falschen Zeit ein Safety-Car kam."

Fernando Alonso - Aston Martin - Formel 1 - Jeddah - GP Saudi-Arabien - 18. März 2023
Motorsport Images

Kaum Zeitgewinn im Q3

Auf die Pole Position fehlte Alonso wie in Bahrain eine knappe halbe Sekunde. Das war auch sein einziger Kritikpunkt. "Wir konnten uns im Q3 nicht so steigern, wie es die Strecke zugelassen hätte. Das ist eine Schwäche von uns." Tatsächlich gewann der Aston Martin-Pilot im Q3 nur 0,027 Sekunden auf seine Q2-Zeit. Sergio Perez steigerte sich um 0,370, Charles Leclerc um 0,483 und George Russell um 0,275 Sekunden. Lance Stroll im zweiten Aston Martin verlor sogar Zeit auf seine schnellste Q2-Runde, was aber auch an einem Fehler in Kurve 22 lag.

Aston Martin hat seine Autos im Gegensatz zu Red Bull auf relativ viel Abtrieb getrimmt. Der Unterschied bei den drei Speed-Messungen betrug zwischen 10,0 und 13,4 km/h. Dafür lagen die Aston Martin im ersten und zweiten Sektor auf Augenhöhe mit dem schnellsten Auto im Feld. Nur im dritten Abschnitt büßte Alonso drei Zehntel ein. Mut machen die starken Longruns vom Freitag. "Normalerweise ist der Sonntag unser besserer Tag. Wir sollten ein Auto haben, mit dem wir uns gegen Ferrari, Mercedes und Alpine verteidigen können."

Im Gesamtbild zeigte sich der älteste Fahrer im Feld zufrieden. "In Bahrain konnten wir uns mit drei Testtagen vorbereiten. Da war es einfacher eine gute Form zu zeigen. Jeddah ist eine komplett andere Rennstrecke, und alle haben bei Null begonnen. Es war eine große Erleichterung für uns, dass wir auch da wieder eine starke Leistung bieten konnten."