F1-Kalender 2022: Höchstens drei Sprintrennen

Blockadehaltung der Top-Teams
Höchstens drei Sprintrennen

Das gibt es nur in der Formel 1. Die Teams könnten extra Geld für die Ausweitung der Sprintrennen von drei auf sechs bekommen, aber nur sieben von zehn würden sich darüber freuen. Mercedes, Ferrari und Red Bull interessiert das extra Geld in der Kasse nicht. Sie wollen, dass der Budgetdeckel um 2,65 Millionen Dollar erhöht wird. Als Ausgleich für angeblich höhere Ausgaben.

McLaren-Chef Zak Brown hatte in seinem jüngsten Brandbrief dagegen gewettert: "Einige Teams verlangen, dass die Kostengrenze um einen unangemessenen Betrag erhöht wird, obwohl es klare Beweise gibt, dass bei den entsprechenden Rennen letztes Jahr kaum Schäden aufgetreten sind. Ich halte das für einen plumpen Versuch, sich gegen den Verlust ihres Wettbewerbsvorteils zu wehren."

Tatsächlich hat keines der drei Sprintrennen 2021 die Kosten für die Teams signifikant erhöht. Die Kilometerleistung ist die gleiche wie bei einem freien Training. Das einzige Unfallopfer war Pierre Gasly in Monza. Alle anderen kamen entweder unbeschädigt oder mit Bagatellschäden durch den Samstags-Grand Prix. "Die Chance, dass einer deiner Fahrer im dritten Training abfliegt, ist fast genauso hoch", weiß Haas-Teamchef Guenther Steiner aus eigener Erfahrung.

Toto Wolff - Mercedes - Zak Brown - McLaren
Motorsport Images

Erhöhung der Sprintzahl vom Tisch

McLaren und sechs weitere Teams lehnen die Aufweichung der Kostendeckelung durch die Hintertür durchweg ab. Der Vorschlag von Haas, allen Teams 2,65 Millionen Dollar extra auszuschütten, fand bei den Top-Teams keinen Gefallen. "Das einzige, was sie interessiert ist, den Vorteil gegenüber den kleinen Teams so gut wie möglich zu schützen. Das geht nur mit einem höherem Budget-Deckel", stellt Steiner fest.

Nun ist der Plan von F1-Boss Stefano Domenicali, die Zahl der Sprints auf sechs zu verdoppeln, offenbar gestorben. Vor wenigen Tagen wurden die Teams informiert, dass höchstens drei Minirennen in den 2022er Kalender kommen – vielleicht sogar noch weniger. Bei welchen Grand-Prix-Wochenenden die Sprints ins Programm genommen werden, steht noch nicht fest.

Drei Sprints wurden bereits einmal im Reglement abgesegnet. Für eine Verdoppelung unter den von den Top-Teams geforderten Bedingungen bräuchte man acht von zehn Stimmen. Bei einem Stimmverhältnis von 3:7 unmöglich. Aus Sicht der Vermarkter ist die Blockade-Politik ärgerlich. An Sprint-Wochenenden haben am Freitag und Samstag deutlich mehr Zuschauer den Fernseher angedreht. Jeder der drei Sprints lieferte mindestens eine extra Schlagzeile.

Sergio Perez - Red Bull - GP Brasilien - Sprint - Samstag - 13.11.2021
Wilhelm

Für 2023 reichen sechs Pro-Stimmen

Die Formel 1 überlegt deshalb bereits jetzt für eine Erhöhung der Sprints in der Saison 2023 abstimmen zu lassen. Da ist ein positives Votum wahrscheinlicher. Bei so viel Vorlauf reichen zudem sechs Pro-Stimmen. Die Top-Teams könnten sich nicht gegen das Mehrheitsrecht wehren. Drei Stimmen wären dann zu wenig, um eine Gegenleistung beim Kostenlimit einzufordern.

Für das F1-Management wäre es ein Sieg mit Beigeschmack. Mit dem Verzicht auf drei zusätzliche Sprints, gehen ihnen und den Teams auch zusätzliche Einnahmen von den Veranstaltern und dem Hauptsponsor verloren. Schon beim Saisonauftakt in Bahrain hätte der erste Sprint nach den ursprünglichen Plänen stattfinden sollen. Der Veranstalter hätte für die zusätzliche Attraktion extra Geld auf den Tisch gelegt. Geld, dass jetzt auch allen Teams verloren geht.