Formel-1-Technik: Mercedes zeigt F1-Pedale

Formel-1-Technik erklärt
Mercedes enthüllt F1-Pedale

Formel 1 Technik Pedale - Mercedes - 2023
Foto: Mercedes

Sie sind von uns gewohnt, dass wir die Aerodynamik eines Autos bis ins Detail analysieren. Upgrade-Galerien zeigen regelmäßig, wie sich Flügel und Verkleidungsteile während der Saison verändern. Dass wir uns vor allem auf die Hülle eines Formel-1-Renners konzentrieren, hat einen Grund. Es ist der sichtbare Teil. Alles, was darunter liegt, versuchen die Ingenieure auch im Verborgenen zu halten.

Auf Motoren, Kühler oder Aufhängungen kann man mit etwas Glück mal einen kurzen Blick erhaschen. Was man aber so gut wie nie zu Gesicht bekommt, sind die Pedale, die sich tief im vorderen Teil des Cockpits verstecken. Dabei sind sie neben dem Lenkrad die einzigen Bauteile, über die der Fahrer das Auto steuert. Sie sind also nicht ganz unwichtig.

Mercedes lässt die Technikfreunde unter den F1-Fans jetzt hinter die Kulissen blicken. Der deutsch-britische Rennstall zeigt, wie Lewis Hamilton und George Russell Gas geben und wie sie ihren silbernen Dienstwagen wieder zum Stehen bringen. Dabei wird schnell deutlich, dass in den Pedalen mehr Technik steckt, als manche vielleicht erwarten würden.

Formel 1 Technik Pedale - Mercedes - 2023
Mercedes

Pedale komplett verstellbar

Wie in einem normalen Straßenauto wird rechts beschleunigt und links verzögert. Das ist dann aber auch schon alles, was es an Gemeinsamkeiten gibt. Die Pedale in einem Formel-1-Renner sind stehend im Vorderbau montiert – rechts und links der Lenksäule.

Je nach Körpergröße kann die Position der kompletten Konsole flexibel eingestellt werden. Die Mercedes-Piloten machen es den Ingenieuren besonders schwer. Russell ist immerhin zwölf Zentimeter größer als Hamilton. Diesen Unterschied müssen die Techniker schon im Designprozess der Autos und der Positionierung der sogenannten "Pedal-Box" einkalkulieren.

Auch die Pedale selbst sind Einzelstücke, die sich in allen Dimensionen perfekt an die Abmessungen und Vorlieben des Fahrers anpassen lassen. Die Designer richten sich hier ganz nach den Wünschen der Piloten. Rennfahrer sind bekanntlich Gewohnheitstiere. Die meisten Bewegungen laufen intuitiv ab. Verändert sich die Pedal-Position und das Pedal-Gefühl nur ganz leicht, merkt das ein Pilot sofort.

Formel 1 Technik Pedale - Mercedes - 2023
Mercedes

Verstärktes Bremspedal

Zwischen Hamilton und Russell gibt es einige Abweichungen im Design, deren Ursprung nicht in der unterschiedlichen Körper- und Schuhgröße liegt. "Manche Fahrer haben es zum Beispiel lieber, wenn Gas- und Bremspedal nicht auf gleicher Höhe nebeneinander angebracht sind, sondern leicht versetzt", verrät Mercedes-Ingenieur George Cover.

Weil Platz in diesem Bereich Mangelware ist, handelt es sich um sehr filigrane Bauteile, die aber gleichzeitig große Belastungen aushalten müssen. Die Auflageflächen für Ferse und Fußballen beim Gaspedal sind nur durch einen dünnen Aluminiumsteg verbunden.

Der linke Fuß des Fahrers tritt dagegen auf mehreren Lagen Carbon. "Beim Bremsen entstehen sehr hohe Kräfte. Der Fahrer kann in der Spitze bis zu 100 Kilogramm Pedaldruck ausüben. Deshalb brauchen wir hier eine sehr steife Konstruktion. Natürlich ist das Gewicht dabei auch ein Thema. Carbon ist hier das ideale Material", erklärt der Techniker.

Formel 1 Technik Pedale - Mercedes - 2023
Mercedes

Sensoren leiten Input weiter

Damit der Fahrer bei den hohen Fliehkräften in den Kurven nicht von den Pedalen abrutscht, sind links und rechts an den Auflageflächen kleine Stege angebracht. Auch hier haben die Piloten unterschiedliche Vorlieben, was Position und Größe angeht. Um den Grip für die Schuhe zu erhöhen, werden die Oberflächen zudem mit einer extrem rauen und somit rutschfesten Beschichtung versehen.

Auch die Technik hinter dem Pedal ist komplett adaptierbar. Federn und Dämpfer, die es in unterschiedlichen Härtegraden gibt, sorgen dafür, dass die Pedale den optimalen Widerstand bieten und immer wieder in ihre Ausgangsposition zurückfinden.

Der Input des Fahrers wird in Formel-1-Rennwagen sowohl beim Bremsen als auch beim Gasgeben elektronisch übertragen. Sensoren im Miniformat verwandeln die Bewegungen der Füße blitzschnell in digitale Daten. Hier liegt leider auch eine der größten Fehlerquellen. Wenn die Sensoren mal streiken, ist die Fahrt in den meisten Fällen direkt beendet.