Der erste Motorenhersteller, der sich für die Formel-1-WM 2026 eingeschrieben hatte, war Audi. Als letzter gab ausgerechnet Ferrari der FIA sein Ja-Wort. Die Traditionsmarke diskutierte lange mit dem Verband über den Regelfindungsprozess, über strittige Entscheidungen in der abgelaufenen Saison und auch darüber, dass man sich jetzt schon für fünf Jahre ab 2026 verpflichten müsse, ohne das nächste Concorde Abkommen für diese Periode zu kennen.
Als Ferrari dann endlich seine Unterschrift geleistet hatte, musste die FIA die Bekanntgabe um drei weitere Wochen verschieben. Präsident Mohammed Ben Sulayem konnte der Präsentation der technischen Partnerschaft zwischen RB Powertrains und Ford nicht vorgreifen. Deshalb verschickte der Weltverband die Einschreibeliste erst nach der Bekanntgabe des Ford-Comebacks. Stand 3. Februar haben sich nun also Audi, Ferrari, Honda, Mercedes, RB Powertrains/Ford und Renault für 2026 angemeldet.

Neue Hersteller erst ab 2027
Für alle anderen Hersteller ist die Türe vorerst zu. Wer sich für 2027 anmelden will, hat noch Zeit bis zum 30. Juni. Das wäre für Porsche, General Motors und Hyundai das frühestmögliche Einstiegsdatum. Sie könnten dann 2024 und 2025 den Budgetbonus für Neulinge von jeweils zehn Millionen und 2026 von fünf Millionen Dollar extra bei der Entwicklung des Antriebs in Anspruch nehmen.
Sollte Andretti als Team den Zuschlag für einen Einstieg in den Jahren 2025 oder 2026 bekommen, müssten die Amerikaner also zunächst als Kunde von Renault antreten. Cadillac könnte erst ab 2027 mit eigener Technologie einsteigen.
Ben Sulayem feierte den regen Zuspruch der Automobilindustrie mit den Worten: "Die Bestätigung der sechs Motorenhersteller ist ein Zeichen für die Stärke der Meisterschaft und das robuste technische Regelwerk, das die FIA in enger Zusammenarbeit mit der Formel 1 und den Herstellern erstellt hat. Die neue Antriebseinheit steht an der Spitze der technischen Innovation und wird dafür sorgen, den Sport nachhaltiger zu machen und gleichzeitig spektakuläre Rennen zu liefern."

Mercedes und Ferrari verlieren Kunden
Die Liste der eingeschriebenen Kandidaten enthält keine großen Überraschungen, wirft aber doch einige Fragen auf. Die erste liegt auf der Hand. Welches Team sucht sich Honda aus? Werden die Japaner eine Partnerschaft eingehen oder einen Rennstall kaufen und unter eigenem Namen antreten?
Eigentlich bieten sich nur noch drei Kandidaten an, wobei keines dieser Teams seine Identität aufgeben wird. Die Branche tippt auf Aston Martin, Williams oder McLaren als mögliche Partner von Honda. Theoretisch könnten die Japaner auch noch einen Rückzieher machen, wenn sie keinen geeigneten Landeplatz finden.
Eine Zusammenarbeit mit dem Hersteller, der zusammen mit Red Bull den Weltmeister der letzten beiden Jahre stellte, wäre für alle drei Teams interessant. Das würde Aston Martin, Williams oder McLaren automatisch von einem Mercedes-Kundenteam in einen Quasi-Werksrennstall verwandeln. Nach einem holprigen Start hat Honda seine Hybrid-Kompetenz mit 34 GP-Siegen seit 2019 nachdrücklich unter Beweis gestellt.
Wenn sechs Hersteller auf zehn Teams treffen, heißt das für die aktuellen Lieferanten, dass sie kürzertreten müssen. RB Powertrains und Ford haben bereits angekündigt, dass sie Red Bull und das Schwesterteam Alpha Tauri mit dem Antrieb versorgen. Sauber wird in das Audi-Werksteam übergeführt. Honda dürfte einen Pakt mit einem der Mercedes-Teams anstreben. Damit werden Mercedes und Ferrari mindestens jeweils einen Kunden verlieren. Das bedeutet 17 Millionen Euro weniger in der Kasse. Das ist der neue Preiszettel für Motorenkunden.