So eng haben wir das Feld schon lange nicht mehr zusammen gesehen. Max Verstappen distanzierte Valtteri Bottas, den Letzten im Klassement, nur um 1,449 Sekunden. Wer sich jetzt Hoffnung auf ein superspannendes Rennen macht, könnte am Sonntag enttäuscht werden. Die Longruns prophezeien, dass Red Bull weiter in seiner eigenen Klasse fährt. Trotzdem gibt es einen Lichtblick. Alpine ist auferstanden und könnte Aston Martin, Ferrari und Mercedes ärgern.
Die geringen Zeitabstände erklären sich auch damit, dass die Piloten in den kühleren Abendstunden Schwierigkeiten hatten, ihre Reifen schnell genug aufzuwärmen und eine freie Strecke zu finden. Auch Verstappen zählte dazu. Der WM-Spitzenreiter brauchte drei fliegende Runden auf den Soft-Reifen, bis er mit 1.29,603 Minuten die Tagesbestzeit fuhr. Das war nur 14 Tausendstel schneller als in der Auftaktsitzung, in der die Asphalttemperaturen um 14 Grad höher lagen.
Fernando Alonso und Sergio Perez markierten ihre schnellsten Zeiten im ersten Umlauf, George Russell, Esteban Ocon und Charles Leclerc erst im fünften. Dazu kam der Verkehr auf der Strecke. Carlos Sainz, Lance Stroll, Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Oscar Piastri hatten haarige Moment zu überstehen, als vor ihnen plötzlich ein langsames Auto auftauchte. Obwohl diverse Mauern versetzt wurden, um die Sicht zu verbessern, sind Auffahrunfälle bei den hohen Geschwindigkeiten in dem Betonkanal immer noch ein Risikofaktor.
Im Verfolgerfeld machte einmal mehr Aston Martin die beste Figur. Doch Ferrari war noch mit stark reduzierter Power unterwegs, Mercedes suchte noch nach der richtigen Balance, die den Fahrer Vertrauen in den schnellen Kurven gibt, und Alpine machte seit Bahrain so einen großen Sprung, dass wir die gute Form am Freitag erst einmal am Samstag und Sonntag bestätigt sehen wollen.
Pirelli-Sportchef Mario Isola sieht den Schlüssel für das Rennen darin, wie stark die Vorderreifen körnen werden. 2022 war das der limitierende Faktor für die Strategen. "Mit den neuen Vorderreifen ist das Auto besser in der Balance als letztes Jahr. Wir gehen deshalb von weniger Körnen aus", erklärte Isola. Da alle ein Einstopp-Rennen anstreben und der harte Reifen dem Medium-Gummi um 0,8 Sekunden hinterherhinkt, scheint die Reifensequenz Soft/Medium zur Pflicht zu werden.
Isola warnt: "Das geht aber nur, wenn der weiche Reifen mit viel Sprit im Tank nicht zu früh einbricht." Den harten Reifen sollte man jedoch nicht abschreiben. Red Bull und Alpine haben sich je zwei harte Garnituren von Pirellis C2-Mischung für den Sonntag reserviert. Sicher nicht ohne Grund.