Das Formel-1-Management reibt sich die Hände. Die Geschäfte laufen hervorragend. Die neuen Regeln mit neuen Autos haben dem Sport zusätzlich gut getan. Neue Hersteller interessieren sich für einen Eintritt in die Formel 1 ab 2026 oder später: Dann greift ein verändertes Motorenreglement mit nachhaltigem Benzin und Elektroanteil von rund 50 Prozent.
2023 gibt es eine Rekordanzahl an Grand Prix – selbst wenn der GP China nicht ersetzt werden sollte. Dann wären es 23 statt der zunächst eingeplanten 24 Rennen. Jeder Grand Prix bringt Mehreinnahmen im zweistelligen Millionen-Bereich. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass erst bei 25 Rennen pro Saison mit der Kalenderexpansion Schluss sein dürfte. Nach ihren Einschätzungen könnte es bereits im übernächsten Jahr so weit sein – auch wenn F1-Chef Stefano Domenicali beteuert, dass die Obergrenze bei 24 läge.

Teure Tickets und Hotels
Den größten Showact hat die Formel 1 bereits verpflichtet. Mitte November 2023 kommt es zum ersten PS-Spektakel in der Zockermetropole von Las Vegas. Die Autos sollen dann mit rund 340 km/h über den berühmten Strip rasen. Trotz teilweise horrender Preise waren die allgemeinen Eintrittskarten nach 21 Minuten vergriffen. Für Stehplätze werden 500 Dollar aufgerufen. Immerhin darf man dann allen drei Veranstaltungstagen beiwohnen. Essen und nicht-alkoholische Getränke sind inklusive.
Wer sitzen will, zahlt zwischen 2.000 und 2.500 US-Dollar. Der Zugang zu einer Hospitality kostet zwischen 8.000 und 10.000 Dollar. Für diese Las-Vegas-Tickets kann man immerhin noch eine Anfrage auf der offiziellen Seite senden. Preise für Hotelzimmer gehen durch die Decke. So sehr, dass nicht nur Fans und Medienvertreter stöhnen, sondern selbst die Formel-1-Teams. Und auch die Macher der Königsklasse erwartet zunächstmal kein Rabatt. Man sucht nach Lösungen für bezahlbare Unterkünfte für all diejenigen, die kommen müssen. Um zu arbeiten und zu berichten.
Das Formel-1-Management ist überglücklich, weil die Strahlkraft eines Rennens in Las Vegas gigantisch ist. Um das Rennen abzusichern, kaufte F1-Besitzer Liberty Media sogar ein Gelände in Las Vegas mit 39 Hektar. Dort sollen Boxengebäude und Fahrerlager errichtet werden. Die Kosten sollen sich laut Liberty-CEO Greg Maffei auf rund 240 Millionen US-Dollar belaufen. Die Formel 1 verfolgt in Las Vegas ein ähnliches Modell wie beim GP Miami. Man tritt in Zusammenspiel mit lokalen Stakeholdern als Promoter auf. Das heißt, man schöpft die Einnahmen größtenteils selbst ab. Das Rennen in Las Vegas dürfte Umsätze von mehreren hundert Millionen US-Dollar generieren.

Wynn Hotel schießt Vogel ab
Der Hype scheint grenzenlos. Das Geld fließt offenbar in Strömen. Entsprechend gibt es rund um das Rennwochenende in Las Vegas auch Angebote, die jegliche Vorstellungskraft von Normalsterblichen übersteigen. Das Wynn Hotel beispielsweise hat ein Paket zusammengestellt, das es sich mit einer Million US-Dollar bezahlen lässt. Das entspricht nach aktuellem Kurs einer Summe von über 950.000 Euro. Immerhin schließt das Angebot eine Gruppe von sechs Personen ein.
Wynn verspricht einen Fünf-Sterne-Service mit luxuriöser Unterkunft und allen dazugehörigen Annehmlichkeiten. Die Wohnstätte für vier Nächte ist rund 540 Quadratmeter groß, hat drei Betten sowie einen Fitness-Raum und ein Billard-Zimmer. Die glücklichen Reichen werden natürlich vom Flughafen Las Vegas abgeholt, und in ihre Unterkunft gebracht. Dort erwartet sie zum Empfang erstmal Champagner und Kaviar. Ach ja, bei einer nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Eröffnungsfeier dürfen die Käufer über den roten Teppich gehen.
Die Gäste sollen VIP-Zugang rund um die Rennstrecke erhalten. Und im Wynn Grid Club – einer Hospitality innerhalb des ohnehin schon exklusiven Paddock Clubs – logieren. Dazu soll es einmalige Erlebnisse geben. Gemeint sind spezielle Formel-1-Events, ohne dass der Veranstalter näher darauf eingeht. Eine Fahrt im Renntaxi mit Max Verstappen, Lewis Hamilton oder Charles Leclerc am Steuer sollte im 1-Million-Dollar-Ticket mindestens drin sein. Erwähnt wird das im Angebot nicht – und auch keiner der Superstars. Dafür aber, dass man natürlich auch eine Runde Golf spielen oder sich im Spa verwöhnen lassen könne.
Es wäre vielleicht sinnvoll, an die Erlesenen noch ein paar Decken zu verteilen, und auch warme Getränke zu reichen. In Las Vegas kann es im November in den Abendstunden ziemlich stark abkühlen. Dann liegen die Temperaturen im einstelligen Bereich. Freuen Sie sich auf ein Rennen unter ganz speziellen Voraussetzungen – eines, das an einem Samstag (18.11.) stattfindet. Das gab es zuletzt 1985 beim GP Südafrika in Kyalami.