Das Rennwochenende von Las Vegas begann mit einem Fehlstart im ersten Training. Doch ein spektakulärer Rennsonntag mit vielen tollen Duellen und einem lange offenen Kampf und den Sieg dürfte die Fans am Ende versöhnt haben. Die Zuschauer bekamen ein unterhaltsames Duell zwischen Charles Leclerc und den beiden Red Bull geboten.
Als die Lichter der Startampel ausgingen, kam Max Verstappen zunächst besser von der Linie weg. In Kurve 1 versuchte der Niederländer den Ferrari von Leclerc auszubremsen. Doch auf dem rutschigen Asphalt wollte der Red Bull nicht so richtig verzögern. Verstappen rutschte in die Auslaufzone und nahm seinen Konkurrenten gleich mit.
Der Weltmeister konnte die Führung zwar verteidigen, doch die Rennleitung sprach eine 5-Sekunden-Strafe aus. Verstappen war nicht der einzige Pilot, der sich in der ersten Kurve verkalkulierte. Fernando Alonso und Carlos Sainz legten Dreher hin, die zu einer Kettenreaktion und einigen Kollisionen führte. Die Rennleitung richtete kurz eine VSC-Phase ein, um die Trümmer gefahrlos bergen zu lassen.
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Vom Start weg ging es in Las Vegas drunter und drüber.
Norris-Crash sorgt für erstes Safety-Car
In Runde drei sorgte Lando Norris dann mit einem heftigen Crash für den Einsatz des richtigen Safety-Cars. Der Brite hatte in der schnellen Kurve 11 die Kontrolle verloren, hatte sich gedreht und war in die Bande eingeschlagen. Das Auto trudelte bis in den Notausgang von Kurve 12. Norris konnte aus eigener Kraft aussteigen, wurde aber später zur Sicherheit zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus geschickt.
Nach dem Restart in Runde 7 wurde Verstappen angewiesen, bis zum ersten Boxenstopp die 5-Strafsekunden rauszufahren. Doch dabei überforderte der Red Bull offenbar die Reifen. Statt vorne wegzuziehen, wurde der Ferrari im Rückspiegel immer größer. In Runde 16 wagte Leclerc schließlich am Ende der langen Gerade in T14 die Attacke und übernahm die Führung.
Verstappen bog danach direkt an die Boxen ab, um sich frische Reifen zu holen und die Strafe abzusitzen. Leclerc wartete sechs Runden länger mit dem Service. Es sah danach aus, als hätte der Monegasse alles im Griff. Doch weitere drei Umläufe später kollidierte Verstappen beim Überholversuch mit dem Mercedes von George Russell in Kurve 12. Die beiden Autos verteilten dabei Trümmerteile auf der Piste. Das rief Bernd Mayländer mit seinem Safety-Car erneut auf die Bahn.
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Bernd Mayländer musste in Las Vegas zwei Mal ausrücken.
Leclerc verzichtet auf Stopp in zweiter SC-Phase
Leclerc verzichtete darauf, direkt noch einmal frische Reifen zu holen. Seine Verfolger ließen sich das Geschenk eines Gratis-Boxenstopps dagegen nicht entgehen. Vor allem für Sergio Perez im zweiten Red Bull kam die Neutralisation gelegen. Er hatte sich nach einer Kollision im Startgetümmel früh einen neuen Frontflügel geholt, war seitdem aber nicht mehr an der Box erschienen. Der zeitsparende Service kam genau im richtigen Moment.
Beim Restart nahm Perez Platz zwei hinter Leclerc ein. Dahinter reihten sich noch Pierre Gasly und Oscar Piastri vor Verstappen ein, die aber nicht lange Widerstand leisten konnten. Weil der Ferrari mit den älteren harten Reifen nicht so gut zurechtkam, wagte Perez in Runde 32 erfolgreich einen Angriff gegen Leclerc. Doch nur drei Runden später schaffte der Ferrari den Konter und holte sich die Spitze zurück.
In einem abwechslungsreichen Schlagabtausch musste Perez dann auch noch seinen Teamkollegen vorbeilassen. Verstappen brauchte nicht lange, um sich auch wieder formatfüllend im Rückspiegel von Leclerc bemerkbar zu machen. In Runde 37 kam es zur entscheidenden Attacke. Verstappen ging in T14 vorbei und ließ sich den Sieg anschließend nicht mehr nehmen.
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Leclerc landete am Ende mitten im Red-Bull-Sandwich.
Kampf bis zur letzten Runde
Der Kampf um Rang zwei war damit aber noch nicht entschieden. In Runde 43 sorgte ein Verbremser von Leclerc in T12 zunächst dafür, dass Perez kampflos vorbeiziehen konnte. Doch in der Schlussphase robbte sich der Ferrari wieder näher ran an den zweiten Red Bull.
In der letzten Runde (50) schaffte Leclerc tatsächlich noch einmal die erfolgreiche Attacke. Der WM-Siebte schob sich mit einem Bremsmanöver auf letzter Rille am Ende der langen Gerade ins Red-Bull-Sandwich. Verstappen hatte sich an der Spitze etwas zurückfallen lassen, um Perez Windschatten zu spenden. Das half aber nicht. Am Ende lag das Spitzentrio nur gut zwei Sekunden auseinander.
"Das war ein hartes Rennen", schnaufte Sieger Verstappen im Ziel durch. "Am Start haben wir beide spät gebremst. Die Stewards haben entschieden, mir eine Strafe zu geben. Nach dem Safety-Car musste ich ein paar Autos überholen, um wieder in den Kampf einzugreifen. Mein Frontflügel war beschädigt. Das hat zu etwas Untersteuern geführt. Das DRS hat hier so einen großen Effekt, dass man nicht wegziehen kann. Der rutschige Asphalt sorgt dafür, dass der Reifenverschleiß gering ist. Wir konnten richtig hart pushen. Ich hatte einfach viel Spaß und freue mich schon, nächstes Jahr wiederzukommen."
Auch Leclerc genoss das Rennen, obwohl er gerne einen Platz weiter vorne gelandet wäre: "Natürlich bin ich enttäuscht über P2. Ich hatte Pech mit dem Safety-Car. Wir wussten nicht, was die anderen machen und haben uns gegen einen Stopp entschieden. Es war uns wichtiger, die Führung zu halten. Mit den älteren Reifen war es dann am Ende schwer, gegen die Red Bull zu kämpfen. Ich habe alles gegeben. Immerhin ist noch Platz zwei rausgesprungen."
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George Russell legte sich mit Max Verstappen an und kassierte eine unglückliche Strafe.
Strafe wirft Russell zurück
Auch auf den Plätzen hinter dem Podium wurde hart gefightet. George Russell kreuzte die Linie als Vierter, rutschte wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe durch die Kollision mit Verstappen aber noch auf Rang acht zurück. Davon profitierte als Erster Esteban Ocon, der von Startplatz 16 auf Rang 4 nach vorne fuhr. Auch Lance Stroll auf Platz fünf und Carlos Sainz auf Rang sechs legten tolle Aufholjagden hin, die vom glücklichen Safety-Car-Timing unterstützt wurden.
Lewis Hamilton rutschte auf Rang sieben ebenfalls noch dank der Russell-Strafe nach vorne. Der Engländer war zwischendurch mit Oscar Piastri kollidiert, was einen Plattfuß zur Folge hatte. Piastri musste nach dem Kontakt ebenfalls zum Service, konnte am Ende hinter Fernando Alonso aber immerhin noch einen WM-Punkt für Rang zehn sammeln.
Für Nico Hülkenberg gab es wieder einmal nichts Zählbares. Der Rheinländer fiel nach einem guten Start immer weiter zurück. In Runde 47 rollte der Haas-Pilot dann mit einem technischen Defekt aus. In Abu Dhabi gibt es in nur sieben Tagen die letzte Chance für die 20 Fahrer, WM-Zähler zu sammeln und die Saison beim Finale versöhnlich zu beenden. Wir hoffen, dass den Fans dann wieder so eine tolle Show geboten wird.