Die Ferrari-Fans können von einem Heimsieg träumen. Zumindest geben die Ergebnisse des Trainingsfreitags Anlass zur Hoffnung, dass Max Verstappen in seinem Red Bull nicht wieder auf und davon fährt. Die Ferrari-Piloten räumten beide Bestzeiten ab. Dabei waren die roten Autos sowohl schnell auf den Geraden als auch in den Kurven. Aufgrund des abgerufenen Speeds und wegen der vielen Strafen gegen den Teamkollegen und die Konkurrenz ist Charles Leclerc der erste Anwärter auf die Pole Position.
Im Auto von Carlos Sainz wechselt Ferrari über das Wochenende hinweg mehrere Motor-Komponenten und das Getriebe. Das führt zu einer Startplatzstrafe gegen den Spanier. Im zweiten Training ließ er sich davon nicht beirren. Sainz lenkte seinen rot-gelben F1-75 in 1:21.664 Minuten um die 5,793 Kilometer lange Rennstrecke im Parco di Monza.

Verstappen erster Verfolger
Positiv für Ferrari war neben der Bestzeit, dass das Auto auf den weichen und auf den Mediumreifen schnell war. Im Vergleich mit Red Bull hatte Ferrari um 0,143 Sekunden die Oberhand. Verstappen, der fünf Positionen in der Startaufstellung aufgrund eines neu eingebauten Motors verlieren wird, erlebte allerdings keinen reibungslosen Tag.
Im ersten Training versaute ihm Lando Norris eine schnellere Runde. In der zweiten Übungseinheit verbremste sich der zehnfache Saisonsieger im ersten Versuch auf der weichsten Mischung (C4). Verstappen versemmelte folglich die erste Schikane. Auch Charles Leclerc schien den Peak der Softreifen nicht voll ausnutzen zu können. Der Monegasse rutschte deshalb auf den dritten Platz ab. Der Rückstand auf den Teamkollegen belief sich auf 0,193 Sekunden.
Auf eine schnelle Runde waren Ferrari und Red Bull am Freitag unter sich. Wir kennen allerdings die abgerufene Motorleistung und verwendete Benzinmenge für den Qualifikations-Versuch nicht. Deshalb sollte man bei der Bewertung des Resultats allgemein noch vorsichtig sein. Was sich herauskristallisiert: Mercedes ist zumindest auf eine Runde kein Gegner. Wie eigentlich immer in diesem Jahr.

McLaren vor Mercedes
In ihren schnellsten Versuchen büßten George Russell als Fünfter und Lewis Hamilton als Siebter sieben respektive acht Zehntelsekunden ein. Die Mercedes quälen sich offensichtlich mehr mit dem Aufsetzen des Autos auf den Bodenwellen als die Konkurrenz. Obendrein ist der W13 kein schneller Rennwagen auf den Geraden.
Die Silberpfeile hinkten in allen Streckenabschnitten hinterher. Die Probleme rissen auch in den Longruns am Ende des Trainings nicht ab. In beiden Autos passte die Energie-Zugabe aus der Batterie nicht. Russell ist dennoch ein heißer Kandidat für die erste Startreihe, weil er keine Strafe mit sich herumschleppt.
Die werden Hamilton und Sergio Perez, der sich im zweiten Training auf den sechsten Platz verbesserte, jeweils am Rennsonntag in der Startaufstellung absitzen. Bei beiden kam es wie bei Verstappen und Sainz zum unerlaubten Tausch von Teilen der Antriebseinheit. Dieses Schicksal ereilt auch Valtteri Bottas (Alfa Romeo) und Yuki Tsunoda (Alpha Tauri). Und wahrscheinlich auch die Haas-Fahrer.
So steht jetzt bereits fest, dass einige der Protagonisten aus dem Mittelfeld um Top-Positionen fahren werden. Lando Norris wittert seine Chance. Eigentlich schmeckt die Highspeed-Strecke seinem McLaren nicht. Der Engländer überraschte sich und seine Mannschaft aber selbst. Norris prügelte seinen MCL36 in der zweiten Übungseinheit auf die vierte Position. Eine Stärke des McLaren: Das Auto zwingt die Reifen auf eine schnelle Runde zuverlässig ins Arbeitsfenster.
Schumacher mit Pannentag
Alpine musste sich mit den Positionen acht und neun abfinden. Zum zweiten Mal war Esteban Ocon der schnellere Fahrer im französischen Rennstall. Das ist ganz ungewohnt. Normalerweise kommt Routinier Fernando Alonso schneller auf Speed und findet früher ein passendes Setup. Ocon orientiert sich dann in der Regel am Teamkollegen. Dieses Mal startete er besser ins Wochenende.
Den letzten Platz in der oberen Tabellenhälfte sicherte sich Alexander Albon im Williams. Lange Geraden, wenige Kurven: Das ist eine Kombination, die dem FW44 entgegenkommt. Albon setzt es um, Nicholas Latifi wie üblich nicht. Der zweite Williams ließ nur Mick Schumacher hinter sich. Der Haas-Pilot durchlebte einen unglücklichen Freitag.
Im ersten Training musste Schumacher sein Auto an Antonio Giovinazzi abtreten. Im zweiten streikte sein Haas nach nur neun Runden. Die Rennleitung war dazu gezwungen, die Session zur Halbzeit für sieben Minuten zu unterbrechen, um den defekten Rennwagen zu bergen. Schumacher spulte in Summe nur knapp über 50 Kilometer ab. Das sind schlechte Voraussetzungen, um auf ein ordentliches Ergebnis zu hoffen. Zumal Haas in Monza ohnehin kein schnelles Auto hat.
Dem zweiten Deutschen erging es technisch besser. Jedoch ist auch sein Auto langsam. Sebastian Vettel, der zum Auftakt ebenfalls zugeschaut hatte, kam über den 17. Platz nicht hinaus.