Drei Testtage und drei Trainings tappte die Formel 1 gewissermaßen im Dunkeln. Es gab Prognosen und Vermutungen, wer über den Winter das schnellste Paket auf die Räder gestellt hat, wer den größten Sprung im Feld machte, und wer abstürzte. In der Qualifikation am frühen Abend von Bahrain fuhren endlich alle zur gleichen Zeit unter identischen Voraussetzungen: mit weichen Reifen, maximaler Motorleistung und wenig Benzin im Tank.
Das Versteckspiel endete und der große Favorit setzte sich durch. Max Verstappen prügelte seinen Red Bull auf die Pole Position. In seinem schnellsten Umlauf stoppte die Uhr nach 1:29.708 Minuten. Für den Titelverteidiger ist es die 21. Pole seiner Laufbahn und die zweite nach 2021 auf dem Bahrain International Circuit. Dort konnte er noch nie gewinnen. Das soll sich am Rennsonntag ändern.
Ferrari hinter Red Bull
Red Bull hat das schnellste Auto. Und auch über die Distanz hinterließ der RB19 den besten Eindruck. Die Startaufstellung spielt dem Weltmeister-Team einen zusätzlichen Trumpf zu. Sergio Perez qualifizierte sich auf dem zweiten Rang. Der Mexikaner hinkte seinem Teamkollegen um 0,138 Sekunden hinterher. Auf dieser Leistung kann er aufbauen.
Um Ferrari musste man sich nach den Trainings etwas Sorgen machen. Doch als es zählte, war die Scuderia zur Stelle. Maranello etablierte sich zumindest in der Qualifikation als die zweite Kraft im Feld. Charles Leclerc startete im Q3 nur einen einzigen schnellen Versuch. Dieser führte ihn auf den dritten Rang. Auf den Red Bull an der Spitze fehlten knapp drei Zehntelsekunden.
Die erste Startreihe ist blau gefärbt, die zweite rot. Carlos Sainz lenkte den zweiten SF-23 auf die vierte Position. Dahinter sortierte sich der zweite Spanier im Feld ein. Fernando Alonso gewann zwei der drei Trainings. Diese Form konnte Aston Martin allerdings nicht ganz halten. Das hatte man im Team aber auch nicht erwartet.

Mercedes viertschnellstes Auto
Auf den 5,4 Kilometern verlor Alonso in Summe 0,628 Sekunden. Immerhin reichte es knapp, um sich damit gegen die Mercedes zu wehren. Die schwarzen Silberpfeile waren an diesem Samstagabend nur die Nummer vier im Feld. George Russell holte sich als Sechster im teaminternen Vergleich den ersten Punkt ab. Es war ein Tausendstel-Krimi zwischen Alonso, dem Engländer und Lewis Hamilton.
Die weiteren Plätze in den Top 10 gingen an Lance Stroll im Aston Martin, Esteban Ocon im Alpine und Nico Hülkenberg im Haas. Der lange Rheinländer feierte damit einen gelungenen Wiedereinstand nach seiner Formel-1-Pause. Seine schnellste Runde im dritten Quali-Teil wurde ihm nachträglich aberkannt. Es machte aber keinen Unterschied. Er hätte die Ocon-Zeit ohnehin nicht geschafft. So wurde Hülkenberg guter Zehnter.
McLaren zu langsam
McLaren hat über den Winter seine Entwicklungsziele verfehlt. Das Auto produziert zu wenig Abtrieb, baut zu hohen Luftwiderstand auf und obendrein stimmt die Balance nicht so recht. Die Quittung gab es in der ersten Qualifikation des Jahres. Lando Norris holte das Maximum aus dem MCL60 heraus. Trotzdem reichte es nicht für den Einzug ins Finale. Der 23-jährige Engländer musste sich mit dem elften Rang abfinden.
Im Vergleich zu den Testfahrten rutschte Alfa Romeo etwas zurück. Der Schweizer Rennstall erlitt im Q2 einen Doppel-K.O. Valtteri Bottas (12.) und Guanyu Zhou (13.) lagen deutlich hinter der Richtzeit zurück. Der finnische Routinier entschied wenigstens das teaminterne Duell für sich. Nach dem zweiten Durchgang stieg auch Yuki Tsunoda aus seinem Rennwagen.
Der kleinste Pilot im Feld muss sich allerdings nicht ärgern. Alpha Tauri ist im Vergleich mit der Mittelfeldkonkurrenz etwas ins Hintertreffen geraten. Da war es schon eine gute Leistung, aus dem Q1 auszubrechen. Das trifft ebenfalls auf Williams-Fahrer Alexander Albon zu, der sich eine bessere Startposition mit einer fehlerbehafteten Runde verbaute.

Gasly bereits im Q1 raus
Williams, Haas, McLaren, Alpha Tauri und Alpine verloren jeweils ein Auto im ersten Durchgang. Besonderes Pech hatte Rookie Logan Sargeant. Dem Williams-Piloten glückte im Q1 exakt dieselbe Rundenzeit wie McLaren-Lenker Norris. Jedoch kreuzte der US-Amerikaner den Zielstrich später. Deshalb wurde die Runde des McLaren besser eingestuft. Dennoch schlug sich Sargeant in seiner ersten Qualifikation achtbar.
Eine bittere Pille schluckte Kevin Magnussen. Der Däne kommt in Bahrain nur tagsüber in Schwung. Abends bei kühleren Streckentemperaturen scheint er auf Kriegsfuß mit seinem Haas zu stehen. In der Quali verfehlte er die Zeit seines Teamkollegen Hülkenberg um mehr als sechs Zehntel. Das Ergebnis war ein enttäuschender 17. Platz.
Für Oscar Piastri endete die Quali ebenfalls nach 18 Minuten. Der zweite Youngster im Feld neben Sargeant hat noch Anlaufschwierigkeiten. Norris war deutlich schneller. Mit Piastri verabschiedeten sich noch Nyck de Vries und Pierre Gasly. Der Franzose erlebte bei seiner ersten Ausfahrt für seinen neuen Rennstall ein Desaster. Erstens war Gasly zu langsam, zweitens strich ihm die Rennleitung auch noch die schnellste Runde. So purzelte der Alpine-Fahrer vom 16. auf den letzten Rang.