Zwei Wochen nach Monaco steht mit Baku der nächste Grand Prix auf einem Stadtkurs auf dem Programm. Die Gegensätze könnten aber größer nicht sein. Monaco verlangte von den Autos nach großen Flügeln und maximalem Abtrieb. Der Baku City Circuit ist dagegen eine der Rennstrecken im Kalender, auf denen mit wenig Anpressdruck gefahren wird. Die langen Geraden schreien danach.
Sechs Teams reisten deshalb mit angepassten Flügeln an: Mercedes, Ferrari, McLaren, Alpine, Alpha Tauri und Alfa Romeo. Mit Haas, Williams und Aston Martin verzichteten drei Teams komplett auf Upgrades. Red Bull veränderte die Bremskühlung an der Vorderachse. Aus Performance-Sicht wichtiger ist der überarbeitete Unterboden, den nun ein zusätzlicher Steg stützt.

Frische Motoren bei Red Bull
Nach vier Siegen in Serie ist die Mannschaft von Max Verstappen und Sergio Perez der leichte Favorit in Baku. Im ersten Training wurde man dieser Rolle gerecht. Monaco-Sieger Perez drehte in 1:45.476 Minuten die schnellste Rundenzeit auf den weichen Reifen. Das ist an diesem Wochenende der C5 aus dem Pirelli-Regal.
Red Bull hat für das achte Rennwochenende der Saison nicht nur ein paar Neuentwicklungen im Gepäck, sondern startet auch mit frischen Honda-Motoren. Wie gewohnt überragte der RB18 auf den Geraden. Perez und Verstappen führten im ersten Training die Hitliste bei den Topspeeds mit einer Geschwindigkeit von je 334 km/h an. Es folgten die Alpine-Renner von Fernando Alonso (333 km/h) und Esteban Ocon (330 km/h).
Das dunkelblaue Auto fährt mit kleinem Heckflügel. Ferrari hingegen wählte zum Auftakt ein größeres Luftleitwerk im Heck. Auch diese Herangehensweise kennen wir aus dieser Saison. So zeigte sich folgendes Bild: Red Bull machte seine Zeit auf den Geraden in den Abschnitten eins und drei. Ferrari bestimmte die Pace im verwinkelten Mittelsektor durch die Altstadt.
Ferrari knapp zurück
In Summe büßte der WM-Zweite Charles Leclerc 0,127 Sekunden auf Perez ein. Der Monegasse erzielte seine persönliche Bestmarke im zweiten Anlauf auf den weichsten Reifen. Im ersten Versuch war ihm George Russell im Weg gestanden. Leclercs roter Rennwagen trägt an diesem Wochenende den dritten Turbolader. Ferrari hat ihn mit dem Barcelona-Motor verheiratet.
Die starke Form des Teamkollegen schmeckt Verstappen gar nicht. Der Weltmeister ist noch immer nicht ganz per Du mit seinem RB18. Verstappen wünscht sich eine bissigere Vorderachse, um das Auto besser in die Kurven zu bekommen. Im ersten Training klagte der Pilot zudem über ein besonders nerviges Fahrverhalten. Diesmal verstimmte ihn, dass das Heck in Kurve 15 beim Runterschalten anschob, obwohl er vom Gas hing.
Der WM-Führende reihte sich mit einem Rückstand von 0,334 Sekunden an dritter Stelle ein. Es folgte Carlos Sainz im zweiten Ferrari, dem über eine halbe Sekunde fehlte. Kurve 15 gehört zu den schwierigsten Ecken in Baku. Verstappen kreiselte dort zum Schluss um die eigene Achse. Leclerc und Perez streiften dort die TecPro-Mauer. Lance Stroll erwischte sie mit dem rechten Hinterrad härter, ohne sich die Aufhängung zu ramponieren. Die großen Themen waren zum Auftakt jedoch der starke Wind – und das extreme Bouncing.

Mega-Bouncing in Baku
Vor allem auf der langen Zielgeraden schüttelt es die Fahrer in ihren Autos ordentlich durch. Sie setzen mit dem Unterboden immer wieder hart auf – verstärkt durch die vielen Bodenwellen. "Es ist ziemlich schockierend", sagte Pierre Gasly stellvertretend für seine Kollegen. Besonders schlimm sieht es bei Mercedes und Ferrari aus. Die Silberpfeile waren zum Start ins Rennwochenende nur die vierte Kraft. Fernando Alonso schob sich im Alpine als Fünfter noch vor Lewis Hamilton.
Alpine hat für Baku das größte Upgrade aufgelegt. Bestehend aus neuen Flügeln sowie einem stark modifizierten Seitenkasten. Mit Esteban Ocon landete auch der zweite französische Werksrenner in den Top 10. Der Rückstand der Mittelfeldautos ist groß. Red Bull und Ferrari fahren in ihrer eigenen Liga.
Hamilton hatte diesmal den Teamkollegen im Griff. Der Rekordsieger der Formel 1 war eine Spur schneller als George Russell, der sich auf dem achten Platz einordnete. 38 Tausendstel entschieden über die Reihenfolge im Silber-Duell. Einen guten Eindruck hinterließen in den ersten 60 Minuten die Alpha Tauri. Yuki Tsunoda (Siebter) und Pierre Gasly (Neunter) sprangen in die obere Tabellenhälfte. Dem AT03 schmecken offenbar die vielen langsamen Kurven in Aserbaidschan.
Pech für Schumacher
McLaren, Aston Martin, Haas, Alfa Romeo und Williams hatten zumindest im ersten Training keine Chance auf die Top 10. "Am Abstand zu den Top-Teams sieht man, dass wir noch Arbeit vor uns haben", erklärte McLaren-Teamchef Andreas Seidl. "Vor allem im Mittelsektor verlieren wir viel Zeit." Die Aston-Piloten Sebastian Vettel und Lance Stroll erzielten ihre persönlich schnellsten Runden im Gegensatz zur Konkurrenz auf der mittelharten Mischung (C4). Da ist also noch Luft nach oben.
Mick Schumacher erwischte einen Pannen-Auftakt. In der vierten Runde parkte der 23-Jährige seinen Haas mit Wasser-Leck. Es drang viel Flüssigkeit seitlich am Unterboden aus. Das technische Malheur ist auf einer Strecke wie Baku doppelt bitter, wo jede Trainingsminute zählt, um Vertrauen ins Auto aufzubauen. Auch Williams-Fahrer Nicholas Latifi hat Grund zu klagen. Sein Auto streikte ebenfalls früh. Der Kanadier schaffte nur sieben Runden.