Die Formel 1 erfreut sich auf der ganzen Welt wachsender Beliebtheit. Nur Deutschland will nicht so recht auf den Zug aufspringen. Dabei hatten die Rahmenbedingungen für die erste Free-TV-Rennübertragung in der neuen Saison aus Shanghai eigentlich kaum besser sein können. Am Tag vor dem Grand Prix siegte Ferrari-Neuzugang Lewis Hamilton im Sprint. Das Qualifying sorgte für eine bunt gemischte Startaufstellung. Und wegen des Sprint-Formats fehlten allen Teams Longrun-Daten zum Reifenverschleiß.
Am Ende konnte das Rennen dann aber nicht ganz die Erwartungen erfüllen. Die deutlich stärker eingeschätzten Ferrari spielten im Kampf um den Sieg keine Rolle. Die Reifen hielten besser als erwartet und sorgten nicht wie erhofft für einen Taktik-Krimi. Und auch die deutschen Zuschauer, die Nico Hülkenberg die Daumen drückten, bekamen keinen Grund zu jubeln. Der Rheinländer fiel schon auf den ersten Metern ans Ende des Feldes und hatte wegen eines Unterbodenschadens keine Chance auf Punkte.
Das wussten die Fans natürlich alles nicht, bevor sie sich den Wecker für den Rennstart um 8.00 Uhr früh stellten. Zu dieser unchristlichen Zeit am Sonntagmorgen waren schon von vorneherein keine Rekordwerte zu erwarten. Dass es dann am Ende so dürftig werden würde, kam aber für alle etwas überraschend. Sky vermeldete gerade einmal 474.000 Zuschauer über das konventionelle Angebot. Dazu kamen noch einmal 131.000 Streaming-Nutzer, was einen Gesamtwert von 605.000 Zuschauern ergibt.

Für den Start des GP China mussten die Fans eine Stunde früher aufstehen als im Vorjahr.
China-Start eine Stunde früher
Zum Vergleich: Im Vorjahr verfolgten noch 745.000 zahlende Formel-1-Fans den China-Grand-Prix bei Sky. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Shanghai-Rennen im Jahr 2024 einen Monat später angesetzt wurde – also nach der Umstellung auf Sommerzeit. Das hatte zur Folge, dass der Anpfiff "erst" für 9.00 Uhr deutscher Zeit eingeplant war. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob diese eine Stunde der alleinige Grund für die schlechte Quote war. Für diese These spricht, dass der Marktanteil mit 7,6 Prozent unverändert blieb.
Ähnlich dramatisch präsentierten sich die Zahlen bei RTL. Obwohl es sich beim China-Grand-Prix um das erste Rennen des Jahres im Free-TV handelte, lösten die Zahlen auch hier keine Jubelsprünge bei den Senderbossen aus. Nur 1,13 Millionen Fans schauten bei der werbefinanzierten Übertragung des Kölner Senders rein. Das war die zweitschlechteste Reichweite seit dem Grand Prix von Las Vegas, der 2024 nicht einmal die Millionengrenze knacken konnte.
Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr lässt sich hier leider nicht ziehen. Das Shanghai-Rennen gehörte letzte Saison nicht zum Siebener-Pack von RTL. Die erste Free-TV-Übertragung im letzten Jahr gab es vom Saisonstart Bahrain. Das Wüsten-Spektakel wurde zu einer deutlich angenehmeren Zeit am Nachmittag übertragen und kam dadurch auf einen Wert von 1,9 Millionen Zuschauer.
Um genauere Aussagen darüber zu treffen, ob die Formel-1-Begeisterung in Deutschland tatsächlich weiter abnimmt oder der Rückgang nur der frühen Startzeit geschuldet ist, muss man den Start der Europa-Saison abwarten. Der nächste Free-TV-Termin bei RTL ist das Rennen in Imola am 18. Mai.