Kaum haben die Formel-1-Tests in Barcelona begonnen, sind sie auch fast schon wieder vorbei. Am Donnerstag (24.2.) stand die zweite von nur drei Sessions in der katalanischen Metropole auf dem Programm. Und wieder ging es für die zehn Teams vor allem darum, Daten zu ihren komplett neuen Autos zu sammeln und Kinderkrankheiten auszumerzen.
Beim anschließenden Blick auf die Zeitentabelle dürften sich besonders die Ferrari-Fans gefreut haben. Nach den Plätzen zwei und drei zum Auftakt rasten die Scuderia-Piloten wieder weit nach vorne. Dieses Mal reichte es für Charles Leclerc sogar zur Tagesbestzeit. Am Nachmittag umrundete der Monegasse den 4,655 Kilometer langen Kurs mit den mittelharten C3-Reifen in 1:19.689 Minuten.
Die Zeit blieb eine Zehntel hinter der Marke von Lando Norris vom Vortag zurück, die allerdings mit einer Stufe weicheren Gummis gesetzt wurde. Dass es keine deutlichere Steigerung gab, ist ein Indiz dafür, dass es die meisten Teams nicht auf absolute Bestzeiten angelegt hatten. Die Plätze zwei und drei von Pierre Gasly im Alpha Tauri und Daniel Ricciardo im McLaren – jeweils auf C4-Reifen – erwähnen wir nur der Vollständigkeit halber.

Erste rote Flaggen der Woche
In der frühen Phase der Entwicklung sind die gefahrenen Kilometer die härtere Währung. Aber auch in der Distanzwertung sicherte sich am Ende der neue Ferrari F1-75 den Spitzenplatz. Leclerc und Sainz ließen sich insgesamt 150 Runden notieren. Alpha Tauri belegte auch in der Zuverlässigkeitswertung den zweiten Rang. Gasly legte die 147 Umläufe aber im Alleingang zurück.
So problemlos kamen nicht alle Teams über den Tag. In der zweiten Session mussten die Streckenposten endlich mal die roten Flaggen auspacken. Für die erste Unterbrechung der Testwoche war Sergio Perez verantwortlich. Der Mexikaner, der in der Früh mal kurz durchs Kiesbett gerödelt war, ließ seinen Red Bull eine halbe Stunde vor der Mittagspause unfreiwillig ausrollen.
Das Team gab zunächst ein Problem im Getriebe als Grund für den ungeplanten Nothalt an. Später stellte sich heraus, dass die Benzinpumpe gestreikt hatte. Perez konnte sein Nachmittagsprogramm erst mit zweieinhalb Stunden Verspätung aufnehmen. Am Ende kam der RB18 gerade einmal auf 78 Umläufe. Das war der schlechteste Wert aller Teams.

Schumacher mit Dreher
Auch Haas sorgte zwischenzeitlich für ein Stopp des Testprogramms. Nikita Mazepin war knapp anderthalb Stunden nach dem Wiederanpfiff auf der Strecke geblieben. Auch hier war die Ursache in der Benzinpumpe zu finden. Bei Haas dauerte die Reparatur aber nur eine Stunde. So kam der Russe in seiner Spätschicht immerhin noch auf 42 Runden.
Teamkollege Mick Schumacher konnte am zweiten Testtag deutlich mehr Erfahrung sammeln als beim verkorksten Start in die Barcelona-Woche. Der Youngster spulte am Vormittag 66 Runden ab, was in Barcelona einer kompletten Renndistanz entspricht. "Wir konnten sogar schon ein paar Dinge mit dem Setup probieren, die in die richtige Richtung gingen", zeigte sich Schumi zufrieden. Ein kleiner Dreher in der Früh blieb zum Glück für ihn ohne größere Konsequenzen.
Bei Alfa Romeo, dem zweiten Sorgenkind des Auftakts, ging es ebenfalls aufwärts. Zwar begann Valtteri Bottas sein Programm in der Früh mit einer Dreiviertelstunde Verspätung und kam nicht ganz durch das geplante Programm, am Ende spulten beide Stammpiloten aber immerhin 82 Runden ab. Rookie Guanyu Zhou, der den neuen C42 am Nachmittag zum ersten Mal pilotierte, legte direkt ein ansprechendes Tempo hin. Der Chinese reihte sich immerhin auf Rang neun im Klassement ein.

Mercedes bleibt unauffällig
Dauer-Weltmeister Mercedes absolviert bisher ein unauffälliges Testprogramm ab. Lewis Hamilton wurde in der Früh vor allem zum Datensammeln auf die Bahn geschickt. Der siebenfache Champion kam dadurch nur auf 40 Runden und belegte den letzten Platz in der Tabelle. Sein neuer Teamkollege George Russell durfte das Potenzial des Silberpfeils etwas mehr ausreizen. Die schnellste seiner 66 Runden reichte dem Briten für Platz vier.
Auch das Mercedes-Kundenteam von Aston Martin kam ohne größere Probleme durch. Lance Stroll und Sebastian Vettel schafften es mit 129 Umläufen locker in den dreistelligen Bereich, ohne aber in der Zeitentabelle besonders zu glänzen. Man darf gespannt sein, ob zum Abschluss der Testwoche mehr Teams als nur Alpha Tauri mit wenig Sprit im Tank und weichen Reifen für das Qualifying üben. Am Freitag soll allerdings in der Mittagspause die Strecke künstlich gewässert werden, um die neuen Pirelli-Regenreifen zu testen.
In der Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights des Tages.