Zum sechsten Mal in diesem Jahr ging Aston Martin leer aus. In keinem Rennen hat der Rennstall aus Silverstone zweistellig gepunktet. Es ist eine Saison, in der für das ambitionierte Team meistens nur die Brotkrümel übrig bleiben. Sechs Mal hat Aston Martin lediglich einen Zähler eingestrichen. In Monza noch nicht einmal den. Beide Autos raus in Q1. Doppelausfall nach 39 Runden. Sebastian Vettel stoppte ein ERS-Problem nach zehn Runden. Lance Stroll wurde angewiesen, die Bremsen zu kühlen, bevor er in aussichtsloser Position aus dem Rennen genommen wurde.
Die schlimmsten Befürchtungen traten ein. Der Aston Martin AMR22 hasst Rennstrecken, die ein geringes Abtriebslevel verlangen. Baku war eine Ausnahme, weil das grüne Auto dort ganz gut mit den Bodenwellen konnte, und einige aus dem Mittelfeld damit vergleichsweise Schwierigkeiten hatten. In Monza werden so kleine Flügel gefahren wie sonst nie im Jahr. Die Aston-Fahrer probierten es mit dem Spa-Flügel und bezahltem beim Topspeed, weil der AMR22 das Gegenteil von windschlüpfrig ist. Sie versuchten es mit einer speziellen Monza-Version und litten unter einem instabilen Fahrverhalten in den Kurven.
Mit keinem Flügel kam der grüne Rennwagen auf einen grünen Zweig. Einziger Trost: Mit minimalem Abtrieb wird auf keiner der restlichen sechs Rennstrecken mehr gefahren. Es geht wieder in Richtung der größeren Flügel. Eine hohe Effizienz der Aerodynamik spielt dann keine so große Rolle mehr. Für zu hohen Luftwiderstand, wie ihn der AMR22 aufbaut, wird man also nicht mehr derart abgestraft werden. Da verspricht sich Aston Martin noch einen halbwegs versöhnlichen Endspurt. Der siebte Platz ist noch in Reichweite. Haas ist neun Punkte voraus, Alpha Tauri acht.

Attacke auf Alpine und McLaren
Und Aston Martin wird ein letztes Mal im größeren Stil nachlegen, wie es aus dem Umfeld des Teams heißt. Zum dritten Mal nach dem GP Spanien und dem Heimspiel in England. Für Singapur soll ein bedeutendes Upgrade in der Pipeline stecken. Danach ist Schluss. Das Entwicklungsbudget ist dann ausgeschöpft. Unfälle sollten tunlichst nicht passieren, sonst könnte es noch knapp werden mit dem Budgetdeckel. Das wird einigen anderen im Feld nicht anders ergehen.
Die Entwicklung ist auf 2023 gerichtet. Eine dritte Saison fern ab der hochgesteckten Ziele darf sich Aston Martin nicht leisten. 2020 hatte die Silverstone-Truppe, damals noch unter der Flagge von Racing Point, vier Podestplätze und einen Sieg erreicht. Es folgte ein Absturz in die hinteren Tabellenregionen. "2021 und 2022 waren keine guten Jahre. Das darf sich nicht wiederholen. Uns muss ein signifikanter Schritt nach vorne gelingen", fordert Teamchef Mike Krack.
Eine Wunschposition will man nicht ausrufen. Aber klar ist, dass Aston Martin ins vordere Mittelfeld aufrücken muss. Mit Alpine und McLaren will man sich um die Plätze hinter den Topteams streiten. Ein Angriff auf das Establishment der Formel 1 wäre verwegen. "Wir müssen schon realistisch bleiben."

Alonso als Faustpfand
Große Hoffnungen ruhen auf den technischen Neuzugängen, die für das 2023er Auto erstmals ihre Ideen in vollem Umfang einbringen. Dan Fallows und Andrew Alessi hatte Aston Martin von Red Bull abgeworben, Eric Blandin von Mercedes und Luca Furbatto von Alfa Romeo. Fähige Leute, die sich mit einem Technikteam verbünden, das in der Vergangenheit aus wenig ziemlich viel gemacht hatte, seit der Übernahme durch Lawrence Stroll aber irgendwie vom Weg abgekommen ist.
Ein großes Faustpfand soll 2023 Fernando Alonso werden. Der Spanier gilt noch immer als einer der besten Fahrer im Feld. Wahrscheinlich ist der "fahrende Renningenieur" der kompletteste überhaupt. In Silverstone können sie ihr Glück noch immer nicht fassen, Alonso für sich gewonnen zu haben. Im Team stellt man die Frage: "Wie konnte Alpine nur so einen Fahrer ziehen lassen?" Doppelte Freude: Aston Martin hat sich selbst gestärkt und einen der Gegner geschwächt.