Die Formel 1 ist in dieser Saison in mehrere Gruppen unterteilt. Red Bull, Ferrari und Mercedes fahren in der ersten Liga, wobei Red Bull seinen Verfolgern bereits enteilt ist. Alpine und McLaren bilden die zweite Gruppe mit großem Respektabstand. Es folgen Alfa, Haas, Alpha Tauri und Aston Martin. Williams ist das Schlusslicht.
Zwischen Alpine und McLaren herrscht punktemäßig fast Gleichstand. Frankreich führt mit vier Punkten vor England. Dieses Duell ist auch insofern spannend, als dass es den Kampf zweier Entwicklungsphilosophien beschreibt. McLaren brachte notgedrungen nach Spanien ein großes Paket, das den MCL36 runderneuerte. Seither ist man mehr oder weniger in dieser Update-Politik gefangen.
Der erste große Aufschlag war damals die Reaktion auf den Pannenstart von Bahrain. Damals ging in Woking die Angst um, mit dem MCL36 völlig daneben gelegen zu haben. Also musste eine große Ausbaustufe her, wo an mehreren Stellen nachgebessert wurde. Bis Frankreich bündelte McLaren das nächste Paket der größeren Sorte. Wieder fassten die Ingenieure verschiedene Oberflächen und Fahrzeugbereiche an.

Ständig Alpine-Updates
Es ist nicht so, dass Woking zwischendrin keine neuen Teile an die Strecke lieferte. Aber es ist schon ein Unterschied zu Alpine zu erkennen. Enstone hat in diesem Jahr mit Ausnahme von Monte Carlo ständig weiterentwickelt. Im Fürstentum wurde nur die Vorderachse/Lenkung angepasst, um die Loews-Haarnadel zu bewältigen. Das machten alle Teams. Ansonsten werteten die Ingenieure unter Führung von Pat Fry den A522 bei jedem Grand Prix auf. Es ist mehr eine punktuelle Fahrzeugentwicklung als ein Facelift alle fünf Grand Prix.
- Bahrain: Seitenkasten, Unterboden, Heckflügel
- Saudi-Arabien: Heckflügel
- Australien: Leitbleche, Unterboden, hintere Bremsbelüftung
- Imola: Unterbodenkante, Beam-Wing
- Miami: hintere Bremsbelüftung
- Spanien: Frontflügel-Endplatte, Heckflügel, hintere Bremsen
- Monaco: Lenkung
- Aserbaidschan: Frontflügel, Seitenkasten, Beam-Wing, Heckflügel
- England: Pushrod vorn, Unterboden, Seitenkasten, Motorabdeckung
- Kanada: Beam-Wing
- Österreich: Heckflügel-Übergang zu Endplatten
- Frankreich: Unterboden rund um Planke, Unterboden-Leitbleche
- Ungarn: Beam-Wing
Die Lieblings-Betätigungsfelder der Alpine-Ingenieure sind der Unterboden und der Beam-Wing. Den größten Aufschlag gab es in Baku und direkt danach in England. Seither sehen die Seitenkästen des Alpine aus wie eine Mischung aus Red Bull und Ferrari. "Mit unserer Politik der ständigen Schritte fahren wir gut. Sie hilft unserem Verständnis", heißt es aus dem Team. Weil man schneller herausfindet, was funktioniert und was nicht.

Die Frage nach dem Budget
So fällt es auch leichter, die neuen Teile mit dem bestehenden Paket zu verheiraten und auszuquetschen. Mit diesem punktuellen Entwicklungsansatz will Alpine auch nach der Sommerpause weitermachen. "Kumuliert bringen uns die kleineren Entwicklungsschritte gut voran", erzählt Teamchef Otmar Szafnauer. Einsatzleiter Alan Permane beschreibt es so: "Ob groß oder klein: Sobald wir etwas in Windkanal und Produktion fertig haben, schrauben wir es ans Auto." Es wird nicht gewartet, um mehrere Teile in einer Ausbaustufe zu bündeln. Zurückgehalten wird nichts.
Die zweite Halbzeit startet direkt mit drei aufeinanderfolgenden Rennen. "Die ersten Rennen nach der Sommerpause werden wegweisend im Duell mit McLaren", glaubt der Teammanager. "Für uns beide wird es nicht so einfach, den Absprung für das 2023er Auto zu finden. Weil wir beide den vierten Platz in der Weltmeisterschaft wollen." Einen guten Performance-Schritt visiert Alpine für den GP Singapur an.
Manch anderes Team runzelt die Stirn. "Wie kann es sein, dass Alpine das Budget-Cap nicht ausschöpft, und bei jedem Rennen trotzdem mit neuen Teilen aufschlägt?" Die Antwort der Franzosen lautet: Effizienz. Nur reicht die nicht, um es mit den Großen aufzunehmen. Alpine hat als Chassis- und Motorenhersteller alles selbst in der Hand. Man hat in Enstone und Viry alle Werkzeuge. Und doch ist die Formel-1-Spitze im Renntrimm eine Sekunde weg. Mit alten und in dieser Saison mit völlig neuen Autos. Es gibt nicht den einen Bereich, wo Red Bull, Ferrari und Mercedes herausstechen. "Sie sind überall besser", sagt Teammanager Permane.