17 WM-Punkte hatte Alpine im letzten Jahr nach fünf Rennen auf dem Konto. In dieser Saison sind es nach fünf Grand Prix neun mehr. Alpine hat mit Ausnahme des GP Emilia-Romagna immer gepunktet, aber nie zweistellig. Und genau da liegt das Problem. Der A522 ist zu mehr in der Lage als es der Punktestand aussagt.
In Saudi-Arabien war Alpine dritte Kraft in der Qualifikation und auch im Rennen gut unterwegs. Fernando Alonso wäre Sechster geworden. Bis sich eine Wasserpumpe verabschiedete. In Australien war der Spanier auf dem Weg in die zweite Startreihe. Bis ein defekter Dichtring im Ölkreislauf des Motors den V6-Turbo vom Getriebe trennte, und Alonso ohne die Unterstützung der Motorbremse von der Strecke flog.

Pech keine Ausrede bei Alpine
Es ist das Thema der Saison. Alpine hat ein gutes Auto, steht sich aber oft selbst im Weg. Noch mehr Beispiele? In Imola schied Esteban Ocon in Q1 aus, weil das Getriebe streikte. Alonso hatte im Rennen Pech, als ihn Mick Schumacher in der Startphase den Seitenkasten aufriss. Ocon bewegte sich nach vorn, wurde aber von einer Fünfsekundenstrafe wegen Unsafe Release in der Boxenstraße wieder zurückgeworfen.
In Miami setzte sich die Serie fort. Ocon feuerte seinen A522 im dritten Training in die Leitplanke und verpasste die Qualifikation. Alonso wurde in Q2 von Landsmann Carlos Sainz aufgehalten. "Wir waren das ganze Wochenende im Umfeld von Alfa Romeo. Wir glauben, dass wir in der Quali vor Hamilton hätten Sechster werden können. Stattdessen fliegen wir in Q2 raus", sagte Alpine-CEO Laurent Rossi, schüttelte den Kopf und beschwor seine Mannschaft.
"Das ist keine Frage von Glück oder Pech. Hamilton hat seinen Aufstieg ins Q3 mit der ersten Runde besiegelt. Wenn man wie wir wartet, kann man sich nicht beklagen, dass etwas schief geht. In der letzten Minute kann auf einer Rennstrecke immer etwas passieren." Auch das Rennen meinte es nicht gut mit Alonso. Für einen Rammstoß gegen Pierre Gasly setzte es fünf Sekunden. Zum Schluss trickste sich der alte Fuchs selbst aus, schoss durch die Schikane und bekam auch dafür fünf Sekunden. So purzelte er aus den Punkten.
CEO Rossi war über das Urteil der Sportkommissare im zweiten Fall verärgert. "Das ist schwer zu schlucken. Fernando hat den Zeitvorteil auf der Runde zurückgegeben. Uns wurde leider keine Möglichkeit eingeräumt, Beweise vorzulegen, die uns entlastet hätten. Wir waren zuversichtlich, dass Fernando dann seinen neunten Platz behalten hätte."

Alpine arbeitet an Reifen
Wenigstens der achte Platz von Ocon, der nach Chassis-Tausch von ganz hinten gestartet war, spendete Trost. Doch vier Punkte sind für Alpines Ansprüche und die Qualitäten des Autos in Summe zu wenig. Rossi fordert: "Wir müssen operativ wieder auf das Niveau von 2021 kommen. Da hatten wir nicht das Auto, haben aber unsere Chancen konsequent verwertet." Eigentlich hatte sich Alpine in dieser Beziehung schon auf einem sehr guten Niveau gewähnt, fällt aber in dieser Saison in alte Muster zurück.
Baustellen sind die Zuverlässigkeit und das Reifenmanagement. Alonso nutzt bereits den dritten Motor, Ocon den zweiten. Ohne Startplatzstrafen wird Alpine nicht durchkommen. Die Reifen machen insofern zu schaffen, als dass sie zu schnell abbauen. In Miami arbeitete Alpine gezielt daraufhin, die Pirellis länger zu konservieren. Der Chef erklärt: "Wir haben im Training am Reifenmanagement gearbeitet. Aber da fährst du keine 30 Runden am Stück. Das ist ein Prozess. Wir werden erst ein paar Rennen fahren müssen auf verschiedenen Strecken, um mit Gewissheit sagen zu können, dass wir Fortschritte mit den Reifen machen."
Tiefer und weicher
Das Auto ist eines der gutmütigsten im Feld. Der Alpine funktioniert auch bei einer höheren Bodenfreiheit. Bouncing ist kein so großes Thema wie zum Beispiel bei Mercedes. "Wir fahren etwas höher und härter als wir gerne möchten. In den Highspeed-Kurven fahren wir gut, doch in langsamen Ecken kostet uns die Steifigkeit. Unser Ziel ist es, die Bodenfreiheit zu reduzieren und vom Fahrwerk weicher zu werden", erzählt Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer.
Mit den Fortschritten beim Motor kann Alpine zufrieden sein. Auch in Miami bestätigte sich, dass die hellblauen Autos bei der Leistung bei der Musik sind. "Wir haben mit dem Motor einen sehr guten Schritt vorwärts gemacht. Ferrari ist allen etwas voraus. Aber wir sind mit Honda und Mercedes gut dabei."