Selten hat eine schlechte Nachricht Fernando Alonso so gefreut. Da gab es in Singapur zum ersten Mal in dieser Saison eine Siegchance, und Alonso war nicht in der Verlosung. Stunden nach dem Rennen deckte die Datenanalyse auf, warum der Aston Martin am Sonntag kein Auto für das Podest war und Alonso am Ende leer ausging. "Ich bin erleichtert, dass es nicht am Auto lag. Und ich weiß jetzt, dass ich unter normalen Umständen mit der Spitzengruppe hätte mithalten können", blickt der WM-Vierte zurück.
Der 15. WM-Lauf wurde für Aston Martin zum Tiefpunkt der Saison. Der eine Fahrer trat nach seinem schweren Trainingsunfall erst gar nicht zum Rennen an, und der andere hatte nicht seinen besten Tag. Das schlimmste aber war, dass der Aston Martin im Rennen weit hinter die eigenen Erwartungen zurückfiel. Auf einer Strecke, die dem Auto eigentlich liegen musste.
Doch schon im ersten Stint hatte Alonso Mühe, das Tempo der Spitze mitzugehen. Nach dem Wechsel auf harte Reifen verlor der Spanier völlig den Anschluss und wurde sogar von den beiden Alpine eingeholt. Dann kam eines zum anderen. Eine Strafe, ein schlechter Boxenstopp, weil das Auto vom hinteren Wagenheber fiel, ein Dreher des Chefpiloten. "Diese Pannen haben uns zusammen 45 Sekunden gekostet", rechnete Teammanager Andy Stevenson vor.

Erste Nullrunde der Saison: In Singapur waren Aston Martin und Fernando Alonso neben der Spur.
Alonso wie mit ausgestrecktem Arm
Das Unheil nahm aber schon viel früher seinen Lauf. Ab der zweiten Runde war die Aerodynamik des Aston Martin mit der Startnummer 14 nachhaltig gestört. Die Verkleidung eines unteren Querlenkers der Vorderradaufhängung hatte sich gelöst und zwischen Rad und Chassis verkeilt. "Der Effekt war so als würde man beim Fahren den ausgestreckten Arm aus dem Fenster halten", beschreibt Chefingenieur Tom McCullough das Problem.
Während des Rennens ließ sich aus den Telemetriedaten nicht direkt erkennen, wie groß der Zeitverlust war. Das ergab erst eine genauere Analyse der Daten. Genaue Zahlen behielt Aston Martin für sich. "Es war signifikant", berichtete Alonso. Offenbar so deutlich, dass der Spanier ohne das Problem sogar um den Sieg hätte mitfahren können. Die Ingenieure vermuten, dass Wrackteile von Tsunodas Alpha Tauri die Aufhängung beschädigt hatten.
Die Einbußen beim Abtrieb führten dazu, dass der Aston Martin auf den harten Reifen nicht die gewünschten Temperaturen erreichte. Der gestiegene Luftwiderstand hatte zur Folge, dass Alonso auf den Geraden keinen angreifen konnte, selbst aber bei Angriffen von anderen mit dem Rücken zur Wand stand.
Kein Auto gut auf allen Strecken
Nachdem man sich in Singapur von der Papierform her berechtigte Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis gemacht hatte, geht das Team mit Prognosen für Suzuka sparsam um. "Es ist einfach schwer zu sagen. Eigentlich sollte uns Suzuka wegen der schnellen Kurven weniger gut liegen als Singapur. Aber wir sind in diesem Jahr mit unseren Vorhersagen oft daneben gelegen. Zandvoort hat auch schnelle Kurven, und wir waren dort stark", macht sich Alonso Hoffnung.
Die starken Schwankungen im Feld liegen möglicherweise in den Genen dieser Groundeffect-Autos. "Wie das Beispiel Red Bull in Singapur gezeigt hat, ist es fast unmöglich, ein Auto zu haben, das auf allen Strecken und in allen Kurventypen gut ist", erklärt Alonso. "Da die Abstände unter uns so eng sind, wird jeder Fehler bestraft. Wenn das geringste schiefgeht, kann dich das schon aus den Top Ten werfen. Und wenn du alles richtig hinkriegst, bist du an der Spitze der Gruppe. Die große Aufgabe wird sein, eine gewisse Konstanz hereinzubringen."