Spa-Francorchamps ist für Michael Schumacher ein besonderer Ort. Mit der Rennstrecke in Belgien verbindet der Deutsche viele Erinnerungen. Im Jahr 1991 gab der damals 22-Jährige sein Debüt im Jordan. Und wie: In der Qualifikation stellte er den grünen Boliden auf Startplatz 7. Das hatte bei den Platzhirschen Senna, Prost und Mansell Eindruck hinterlassen. Ein Kupplungsschaden beendete sein Rennen allerdings nach 500 Metern. Ein Jahr danach fuhr Schumacher für Benetton. Das Team war gut, das Auto auch. Aber gegen die überlegenen Williams-Renault war kein Kraut gewachsen. Dennoch gelangen dem Kerpener bis zum Rennen in Spa fünf Podestplätze. Am 30. August 1992 folgte der bis dahin größte Tag seiner Karriere.
Im Qualifying trumpfte noch Nigel Mansell auf, es war seine zehnte Pole-Position im zwölften Rennen. Neben dem Engländer stand Superstar Ayrton Senna im McLaren-Honda. Von Platz 3 nahm Schumi den Grand Prix in seinem gelben Benetton in Angriff. Wegen Regens im zweiten Teil der Qualifikation am Samstag verbesserte niemand seine Zeiten vom Freitag. Für Mansell begann in Belgien das Schaulaufen für den Rest der Saison. Ein Rennen zuvor hatte der Mann mit dem Schnauzbart in Budapest seinen einzigen WM-Titel finalisiert.

Slicks oder Regenreifen?
Der Start am Sonntag erfolgte auf Slicks. Erste Regentropfen fielen aber bereits vom Himmel. Senna setzte sich beim Sprint zur La Source an die Spitze. Dahinter reihte sich Mansell vor Teamkollege Riccardo Patrese und Ferrari-Pilot Jean Alesi ein. Schumacher lag zunächst auf Rang 5. Gerhard Berger im zweiten McLaren kam gar nicht vom Fleck und war raus aus dem Rennen.
Schumacher machte auf der Kemmel-Geraden eine verlorene Position wieder gut, als er sich Alesi schnappte. Der Regen wurde schnell stärker. Das hielt Mansell nicht davon ab, Senna in Runde zwei vor Blanchimont zu überholen. Patrese knackte den Brasilianer im selben Umlauf vor der Bus-Stop-Schikane. Typisch für Spa: Die fast sieben Kilometer lange Strecke war nicht komplett nass. Somit war es unklar, welcher Reifen sich zu diesem Zeitpunkt am besten eignete.

In Runde vier übernahm Patrese die Führung, weil Mansell zum Wechsel auf Regenreifen an die Box kam. Schumacher entschied sich kurz darauf ebenfalls, seine Boxencrew anzusteuern. Nach sechs Runden vollzog auch Patrese den Reifenwechsel. Senna übernahm erneut Platz 1. Der dreimalige Weltmeister blieb stur auf den profillosen Goodyear draußen. Eine Fehlentscheidung. Nigel Mansell hatte in Runde elf leichtes Spiel und ging erneut in Führung. Zuvor hatte der Engländer allerdings Jean Alesi beim Anbremsen zur La Source umgedreht. Der Motor des Ferrari starb ab. Alesi war damit raus. Mansell konnte ohne Probleme weiterfahren.
Ein Ausrutscher Schumachers in Stavelot in der 29. Runde war entscheidend für den Grand-Prix-Ausgang. Der Deutsche fiel hinter seinen Teamkollegen Martin Brundle zurück und sah den Zustand von dessen profilierten Goodyear auf abtrocknender Strecke: "Als ich Martins Reifen sah, merkte ich, dass sie Blasen warfen. Das war gut für mich, denn ich entschied mich daraufhin sofort für den Reifenwechsel."

Schumi trickst alle aus
Seine eigenen dürften in keinem besseren Zustand gewesen sein, schlussfolgerte der Deutsche. Der Wechsel zurück auf Slicks erwies sich als genialer Schachzug. Mansell blieb auch wegen eines Missverständnisses am Funk zu lange mit den Regenreifen auf der Strecke. Patrese und Brundle wechselten ebenfalls zu spät, um Schumacher hinter sich halten zu können.
Nach Mansells Boxenbesuch übernahm Schumacher zehn Runden vor Schluss die Führung und gab diese nicht mehr ab. Als er nach 44 Runden die Ziellinie überquerte, reckte er seine prägende Siegesfaust aus dem Auto. Im Anschluss zeigte sich der in den Folgejahren als Regenmeister betitelte Deutsche überglücklich und fand für seine Gefühle kaum Worte: "Ich kann es wirklich nicht beschreiben. Es ist einfach verrückt."
Die Heilquellen-Stadt in der Wallonie steht nicht nur für den Anfang von Schumachers Siegeszug in der Formel 1. Der Ort schließt auch den Kreis der größten Erfolge in der F1-Karriere des Rekordweltmeisters. Im Jahr 2004 gewann Michael Schumacher hier seinen siebten und letzten WM-Titel.
Den menschlich größten Sieg feierte aber Ayrton Senna an diesem Wochenende. Am Freitag stellte er seinen McLaren neben dem im Qualifying verunfallten Érik Comas ab. Senna schaltete den Motor des Ligier aus, damit das Auto kein Feuer fing, und fixierte Comas’ Helm. Der Franzose glaubt, dass die F1-Legende dadurch sein Leben rettete.