Gerade läuft der Rechner hoch, da guckt schon ein Kollege ins Zimmer: Und wie war der Kombi? Klasse, oder? Kurze Antwort: Ja. Er nickt zufrieden und geht weiter. Rückfragen kommen keine, schließlich ist er ein ohnehin ein Freund des Golf R.
Die Vorzüge sind ja bekannt. Als Kraftquelle dient der Zweiliter-Turbobenziner, genannt EA888 in seiner vierten Ausbaustufe (evo4). Will heißen: 320 PS und 420 Nm Drehmoment, die ab 2.100 Umdrehungen (und bis zu 5.350 Touren!) bereitstehen. Nullhundert: in 4,9 Sekunden.

Dazu ein bemerkenswert schnelles und ruckfreies Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und schließlich der neue Allradantrieb, der ohne Haldex auskommt, die Kraft aber nicht nur variabel zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern via Lamellenkupplung zwischen den Hinterrädern verteilt. Basierend auf Daten wie Geschwindigkeit, Lenkwinkel, Gaspedalstellung und Querbeschleunigung beaufschlagt die Steuerelektronik die Räder mit Kraft; falls nötig bis zu 100 Prozent. Klingt aufwendig, ist es auch, aber das Fahrverhalten ist im Verbund mit der serienmäßigen Progressivlenkung und dem adaptiven Sportfahrwerk (1.045 Euro) schlichtweg großartig.
Ganz nach Lust und Laune
Ob nun der Viertürer, oder wie hier der 354 Millimeter längere Variant: Wie schwungvoll, wie agil, wie neutral sich der traktionsstarke Kombi durch Kurven scheuchen lässt, ist klasse. Je nach Wunsch, beziehungsweise gewähltem Fahrmodus (Comfort, Sport, Race, Individual) ganz geschmeidig oder voll auf Attacke getrimmt. Ein Fahrdynamikmanager unterstützt zusätzlich mit kaum spürbaren Bremseingriffen. Das ESP lässt sich komplett ausstellen. Und selbst mit ESP-OFF in wirklich brenzligen Situationen bleibt der Golf gut kontrollierbar. Sollte es dennoch eng werden, packt eine fein dosierbare Bremsanlage mächtig zu.

Für 2.095 Euro mehr geht der Kombi auch quer
Als wäre all das noch nicht genug, lässt sich auch der Variant mit einem zusätzlichen Performance-Paket (2.095 Euro) noch upgraden. Die V-Max liegt sodann bei 270 km/h (statt 250 km/h), in den Radhäusern rollen 19 Zoll große Semislicks (235/35), ein Driftmode erlaubt ein beeindruckend lockeres Heck und im zusätzlichen Special-Modus bereitet sich der Variant auf Rennstrecken im Stile der Nordschleife vor. Das ESP bleibt an, das Fahrwerk erlaubt mehr Hubbewegungen, die Drehmomentverteilung ist sämiger, Zwangshochschaltungen sind verboten, die Drehzahlen höher und die Kraftdosierung noch feinfühliger. Und ja – wer es einmal testet, merkt schnell, wie sich das Fahrverhalten deutlich ändert. Intern liegt der Rundenrekord übrigens bei 7.51 Minuten.

Ob der normale R-Fahrer all diese technischen Finessen jemals nutzen wird? Wohl kaum. Eher genießt er den hohen Sitzkomfort der exzellent ausgeformten und sehr Seitenhalt-starken Sportsitze oder freut sich am großen Heckabteil, das mit einem Volumen von 611 bis 1.642 Litern ganz ordentlich Gepäck transportieren kann. Zudem kann er bis zu 1,9 Tonnen schwere Hänger ziehen. Das Einzige, was jetzt noch fehlt, wäre eine kräftiger tönende Auspuffanlage. In der R-Limousine darf sie ja schließlich auch posaunen, und das gar nicht so proletenhaft.