Das Plus im Namen ist bei Lexus-Modellen neu – es steht für die Möglichkeit, die Antriebsbatterie des Hybriden auch über einen externen Stromanschluss aufzuladen. Die entsprechende Steckdose befindet sich beim NX hinter einer Klappe hinten rechts, gegenüber auf der linken Seite sitzt die Tankklappe. Abgesehen vom Modellschriftzug ist dies die einzige Möglichkeit, die Plug-in-Version von der herkömmlichen Hybrid-Variante des NX zu unterscheiden.
Bestverkaufter Lexus in Europa
Nach dem UX ist der NX das zweitgrößte SUV von Lexus. Ein Teil seiner Technik, insbesondere die Architektur, kommt vom Toyota RAV4 – viel macht Lexus aber selbst. Beim NX möchte das Toyota-Nobel-Label möglichst nichts falsch machen – schließlich ist das Fahrzeug in Europa das bestverkaufte Modell der Marke, die bisher auf diesem Kontinent nicht mit hohen Verkaufszahlen auffällt. Optisch setzt Lexus aber ein Zeichen: Im Vergleich zum Vorgänger ist der markante Frontgrill der jetzt vorgestellten zweiten Generation noch mächtiger, schärfer und somit auffälliger. Das gesamte Design wirkt dennoch stimmig, modern und nicht unbedingt aggressiv.

Cockpit mit LF-30-Anleihen
Den Innenraum des NX hat Lexus wie die Innenräume seiner anderen Modelle verarbeitet: top. Die Sitze gehören mit ihrem Schnitt und ihrem Seitenhalt zur Sitz-Oberklasse – auf ihnen lassen sich ewig lange Fahrten ermüdungsfrei durchhalten. Das Cockpit folgt dem inzwischen beinahe schon klassischem Layout mit Instrumentenbildschirm vor dem Fahrer und großem Infotainment-Bildschirm am oberen Ende der Mittelkonsole. Aber der NX ist das erste Lexus-Modell, dessen Anzeigen und Ergonomie den Vorgaben des so genannten Tazuna-Cockpit entsprechen. Eine noch deutlich futuristischere Form dieses Cockpits hat Lexus erstmals 2020 in seiner Zukunftsstudie LF-30 electrified gezeigt: Dort blickt der Fahrer in eine Art Tunnel, der ihm hilft, seinen Blick zu fokussieren und der optisch für Vorwärts-Dynamik sorgt. Im NX ist das in abgemilderter Form auch wahrzunehmen.
Der Startknopf hat im breiten linken Rand des Infotainment-Bildschirms einen sehr auffälligen Platz bekommen – im Lexus ES sitzt dort eine beruhigende Zeiger-Uhr. Aber ansonsten ist das Cockpit des UX deutlich ruhiger gestaltet als das der Mittelklasse-Limousine ES: Es gibt nur die nötigsten Knöpfe, einen Platz für induktives Laden und darüber einen USB-C- und einen USB-A-Anschluss sowie hinten zwei weitere USB-C-Anschlüsse.

Digitaler Innenspiegel – selber ausprobieren
Eine Besonderheit ist der auf Wunsch digitale Innenspiegel. Dieser zeigt das Bild der am Heck angebrachten Kamera hochauflösend an, ohne dass die hinten Sitzenden oder hoch gestapeltes Gepäck die Sicht versperren. Allerdings spiegelt das Glas des Innenspiegel-Monitors bei bestimmten Lichtverhältnissen so stark, dass dort ein zweites, leicht versetztes Bild des Geschehens hinter dem Fahrzeug zu sehen ist. Außerdem muss das Auge des Fahrers erst das Kamerabild fokussieren, was länger dauert als bei einem klassischen Spiegel. Nach dem Fokussieren muss der Fahrer sich dann noch für das "echte", von der Glasspiegelung teilweise überdeckte, Kamerabild entscheiden. Wen die Doppelung der Anzeige stört, der kann diese nicht einfach abschalten. Nur das klassische Abblenden per Umklappen des kleinen Spiegel-Hebels nach hinten deaktiviert den Bildschirm und macht den Blick auf einen klassischen Spiegel frei. Jetzt muss der Fahrer aber den Spiegel aus der Abblendposition neu einstellen, um einen komfortablen Blick nach hinten zu haben. Ein weiteres Abblenden wäre jetzt nur noch möglich, indem man den Spiegelwinkel komplett per Hand ändert – der Spiegel-Hebel steht ja bereits auf der Abblend-Position. Unsere dringende Empfehlung deshalb: Falls Sie mit der Anschaffung des Kamera-Innenspiegels liebäugeln, probieren Sie das System vorher gründlich bei verschiedenen Lichtverhältnissen aus. Und wenn Sie ähnliche Erfahrungen machen wie wir, verzichten Sie ihren Nerven zuliebe einfach auf diese Ausstattung. Ganz einfach ist der Verzicht aber nicht: In den höheren Ausstattungen Luxury und F Sport gehört der digitale Spiegel zum Serienumfang.

Neue Türöffnung extrem komfortabel
Die Konnektivität mit jeglichen mobilen Endgeräten funktioniert problemlos und wer das aufpreispflichtige Mark-Levinson-Soundsystem mit 17 Lautsprechern ordert, bekommt sehr klare Surround-Klänge. Wir haben es gründlich ausprobiert: Das System kommt mit verschiedensten Musikrichtungen von Punk bis Klassik prima zurecht, nichts klingt breiig, nie fehlt Dynamik.
Zum Aussteigen müssen die Insassen des neuen NX nur noch die inneren Türhebel drücken. Da dies der natürlichen Öffnungsrichtung der Türen entspricht, ist diese Neuerung ausgesprochen ergonomisch – das althergebrachte Ziehen mag sicherer vor unabsichtlichem Öffnen schützen, aber die Kinematik der Japaner ist auffällig angenehmer. Rückbank-Schnellcheck: Die Bank ist ebenso gut verarbeitet wie die vorderen Sitze und sie bietet sogar ein bisschen Seitenhalt. Platz haben hier auch größere Personen.

Fahrwerk auf zwei Tonnen Leergewicht abgestimmt
Das Fahrwerk des allradgetriebenen NX 450h+ muss mit zwei Tonnen Leergewicht zurechtkommen. Und es ist dieser Aufgabe gewachsen: Das hohe SUV wankt kaum in Kurven und schluckt Schlaglöcher und lange Wellen trotzdem gut. Bei kurzen Wellen meldet es sich sowohl akustisch als auch spürbar – was unter anderem an den großen Rädern (18 bis 20 Zoll) liegen dürfte. Es ist auf jeden Fall nicht so hart, als das man sich daran nicht gewöhnen könnte. Die Lenkung arbeitet recht präzise und direkt, hat kaum Spiel in der Mittellage, hinterlässt aber ein leicht künstliches Gefühl. Die Bremsen machen einen 1a-Job und bringen die zwei Tonnen locker zum Stehen, ohne zu bissig zu sein.

Erster Lexus mit extern nachladbarer Batterie
Die große Besonderheit ist natürlich der Plug-in-Hybrid-Antrieb des Lexus NX 450h+. Bisher ließ sich kein Lexus-Hybrid-Modell extern nachladen – Lexus war es wichtig, dass der Antrieb auch für eine manierliche rein elektrisch gefahrene Strecke reicht. Jetzt ist es soweit: Rein elektrisch schafft der NX dank eines 18,1 kWh großen Akkus im WLTP-Zyklus eine Strecke zwischen 69 und 76 Kilometer. In der Stadt sind sogar 89 bis 98 Kilometer möglich, was für die meisten Pendlerstrecken reichen dürfte. Bei rein elektrischer Fahrt sind bis zu 135 km/h möglich. Der Antrieb setzt sich aus einem 2,5-Liter-Vierzylinder-Sauger und einem permanent erregtem Synchronmotor vorn sowie einem zusätzlichen kleinen Permanentmagnet-Synchronmotor an der Hinterachse zusammen. Der Verbrenner leistet 185 PS und generiert ein maximales Drehmoment in Höhe von 227 Newtonmeter. Der vordere Elektromotor ist mit 134 kW (182 PS) und 270 Newtonmetern dabei, der hintere liefert 40 kW (54 PS) und 121 Newtonmeter. Die drei Aggregate bringen es zusammen auf eine Systemleistung von 309 PS – das Systemdrehmoment hält Lexus unter Verschluss. Anders als bei Prius und Co. sitzen in der Batterie im Fahrzeugboden – sie enthält 96 Lithium-Ionen-Zellen, die eine Spannung von 355 Volt erzeugen. Der Akku beeinträchtigt das Tankvolumen von 55 Litern nicht – den Ingenieuren war auch die Langstreckentauglichkeit weit über die elektrische Reichweite hinaus wichtig. Was sich nach einer komplizierten Antriebstechnik anhört, ist für den Fahrer ausgesprochen einfach.

Unmerkliche Regel-Mechanismen
Gas geben und Bremsen reicht – von den komplizierten Regelmechanismen bekommt der NX-Pilot nichts mit. Er kann zwar zwischen den Fahrmodi Eco, Normal und Sport wählen, aber die Spreizung der Einstellungen von Lenkung und Gasannahme ist nicht allzu groß. Das Zu- und Abschalten der beiden Elektromotoren verläuft unmerklich – der Fahrer könnte glatt den Eindruck gewinnen, mit nur einem Antriebs-Aggregat unterwegs zu sein. In 6,3 Sekunden sprintet das SUV auf 100 km/h – für diesen Wert ist der kleine E-Motor im Heck mitverantwortlich, da er den NX bei Bedarf zum Allrader und damit traktionsstärker macht. Die elektronische Abregelung greift bei 200 km/h. Das Beeindruckendste ist dabei der WLTP-Verbrauch: Bei vollgeladener Batterie beträgt dieser im Schnitt 1,1 Liter pro 100 Kilometer. Den Verbrauch bei leerer Batterie gibt Lexus auch auf Nachfrage nicht an – wir werden ihn in einem späteren Test ermitteln.
Stufenloses Getriebe mit virtuellen Schaltstufen
Als Getriebe sitzt im NX 450h+ ein stufenloses System (CVT – Continuously Variable Transmission), dass sich per Schaltpaddle in sechs virtuellen Schaltstufen einstellen lässt. Wer die direkt ansprechenden Paddles nicht nutzt, muss beim längerem kräftigen Beschleunigen mit einer abgemilderten Form des Hochjaulens rechnen, das CVTs nun mal eigen ist – die 309 PS Systemleistung reichen eben einfach auch für lange Beschleunigungsvorgänge. Aber das stört nicht großartig und der Fahrer kann es entweder mit den besagten Paddles oder durch ein angepasstes Beschleunigungsverhalten vermeiden.
Die Auslieferungen des Lexus NX 450h+ beginnen zum Jahreswechsel 2021/2022, er kostet mindestens 60.300 Euro – nicht zu viel für ein Plug-in-Hybrid-SUV: Ein BMW X3 30e mit 297 PS, aber nur 42 bis 50 Kilometer E-Reichweite kostet das Gleiche.
Lexus NX 450h+ | |
Grundpreis | 62.290 € |
Außenmaße | 4660 x 1865 x 1640 mm |
Kofferraumvolumen | 545 bis 1436 l |
Hubraum / Motor | 2487 cm³ / 4-Zylinder |
Leistung | 136 kW / 185 PS bei 6000 U/min |
Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
Verbrauch | 0,9 kWh/100 km |