BMW 2er Active Tourer im Fahrbericht: Der BMW der vorne zieht

BMW 2er Active Tourer im Fahrbericht
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Der BMW der vorne zieht

07/2014, BMW 2er Active Tourer BMW 218d © Achim Hartmann 27 Bilder

Frontantrieb, Van-Karosse, Dreizylinder: Der BMW 2er Active Tourer lässt gusseiserne BMW-Fans gleich dreimal tief durchatmen. Ob der 218d mit 150 PS noch ein echter BMW ist?

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Natürlich wäre es auch mit Heckantrieb gegangen. Schon allein, da für den optionalen Allradantrieb genug Platz unter dem Auto gelassen werden musste, um Kardanwelle und Achsantrieb unterzubringen. Bei einem Van, für den jeder Zentimeter Innenmaß zählt, gibt es dennoch keine vernünftige Alternative zum Frontantrieb, weil sich Motor und Getriebe dadurch platzsparend quer über die Vorderachse schmiegen. Doch bevor wir klären, ob der neue BMW 2er Active Tourer wie ein typischer BMW fährt, schauen wir erst mal, wie er sich denn als Van so schlägt und klappen uns durch seinen Innenraum. Wer sich für einen XL-Kompakten entscheidet, denkt schließlich nicht nur an sich, sondern auch an seine Mitfahrer.

Und die können sich im BMW 2er Active Tourer nicht beschweren: Obwohl nur zwei Zentimeter länger als ein 1er, sitzen Fondpassagiere luftig und bequem auf einer verschiebbaren und in der Lehnenneigung justierbaren Rückbank (Aufpreis 300 Euro). Während der Fondzustieg selbst beim viertürigen 1er locker als Yoga-Übung durchgeht („Gebückte Katze“), ermöglicht die elf Zentimeter höhere Sitzposition im Verbund mit weit öffnenden Türen entspanntes Einsteigen. Wie in dieser Klasse üblich, empfiehlt sich der mittlere Sitz jedoch nur für Kurzeinsätze. Wer sich vom Höhenwachstum eine tolle Übersichtlichkeit erhofft, wird hingegen enttäuscht. Vom Fahrersitz aus lassen sich die steil abfallende Front und das verbaute Heck nur erahnen, beim Abbiegen stehen gern mal die vorderen Dachpfosten im Weg.

BMW 2er Active Tourer, der neue Van 2:20 Min.

BMW 2er Active Tourer mit unauffälligem Frontantrieb

Vantypisch großzügig fällt auch das Kofferraumvolumen aus. Als Fünfsitzer schluckt der BMW 2er Active Tourer 468 Liter Gepäck, bei umgeklappter Rückbank sind es sogar deren 1.510 und damit einen Tick mehr als ein 3er Touring. Dank cleverem Federmechanismus samt elektrischer Entriegelung fallen die drei Segmente der Rücksitzlehne auf Knopfdruck nach vorn. Wird jetzt noch der Beifahrersitz zusammengefaltet (190 Euro), verschwindet bis zu 2,4 Meter langes Transportgut im 2er-Bauch.

Sinn fürs Praktische zeigen auch große Ablagefächer in Türen und Mittelkonsole oder der Heckklappenlift, der sich auf vier verschiedene Arten in Betrieb nehmen lässt: Ganz klassisch von außen per Klinke, mit einem Schalter vom Fahrersitz aus, per Fuß-Kick unter der Heckschürze oder über die Schlüssel-Fernbedienung (750 Euro). Nach einem erneuten Druck auf die Fernbedienung surrt die Heckklappe sogar wieder zu.

Und wie fährt sich jetzt der erste BMW mit Frontantrieb? Erfreulich unspektakulär. Die hohe Sitzposition kennt man aus den X-Modellen, das Antriebsprinzip wird seit 13 Jahren im Mini kultiviert. Mit dem teilt sich der 2er die wesentlichen Fahrwerkskomponenten, er wurde allerdings nicht ganz so spitz abgestimmt. Auf Lenkmanöver reagiert der BMW 2er Active Tourer dennoch zackig, wirft sich freudig in Kurven, die er verblüffend neutral durchpflügt. Die Entwickler haben hierfür eine spezielle ESP-Abstimmung ausgetüftelt, die mit vorauseilenden Brems-Eingriffen ums Eck hilft, schon bevor die Reifen ihre Haftgrenze erreichen.

Die zackige Abstimmung hat jedoch auch ihre Schattenseite: Speziell kurze Unebenheiten klopfen spürbar durch, wer auf hohen Federungskomfort Wert legt, sollte die adaptiven Dämpfer (500 Euro) in Betracht ziehen, mit denen der Testwagen allerdings nicht ausgestattet war.

BMW 2er Active Tourer ist teuer

Mit seiner quirligen Art animiert der BMW, den umfassend modifizierten Zweiliter-Diesel (150 statt 143 PS) bis an die 5.000/min. auszudrehen. Was zum zügigen Vorankommen gar nicht nötig wäre, da der Direkteinspritzer schon knapp über Leerlaufdrehzahl Druck macht und bei 1.750/min. sein Drehmomentmaximum erreicht. Dank neuem Einspritzsystem verbrennt der Vierzylinder zudem deutlich leiser und weicher als bisher.

Die gebotenen Qualitäten haben jedoch ihren Preis: Mit über 31.000 Euro gehört der 218d zu den teuersten Kompaktvans am Markt. Sparwillige Markenfans greifen daher zum 218i mit 136 PS bzw. dem ab November lieferbaren 216d mit 116 PS die mit ihren Dreizylindern unter der 30.000 Euro-Schwelle bleiben.

Für den Preis des ebenfalls im Herbst nachgeschobene 225i xDrive samt Achtgangautomatik gibt es jedoch schon einen ebenfalls allradgetriebenen 328i xDrive. Luxus-Optionen wie die Online-Navigation samt Head-Up-Display und Concierge-Funktion, LED-Scheinwerfer oder das Fahrerassistenz-Paket treiben den Preis des Familienvans fast beliebig nach oben. Auch in diesem Punkt ist der BMW 2er Active Tourer also ein echter BMW geworden.

Tabelle (techn. Daten)

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