Bereits 1934 sorgte der Chrysler Airflow mit seiner stromlinienförmigen Karosserie für Aufsehen. Nun reaktiviert der Chrysler-Mutterkonzern Stellantis den Namen des einstigen Oberklasse-Fahrzeugs. Bereits auf der CES 2020 stellte der Stellantis-Vorgänger-Konzern FCA den Airflow Vision Concept vor. Die Studie war damals allerdings keiner Marke zugeordnet, und auch Informationen zum Antrieb waren eher spärlich gesät. Zwei Jahre später rollt wieder ein Airflow Concept in Las Vegas ins Rampenlicht; diesmal als echter Chrysler und deutlich näher an einem künftigen Serienmodell, das bis 2025 auf den Markt kommen soll.
Im Januar diesen Jahres hat Chrysler die Elektroauto-Studie Airflow auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas vorgestellt. Vorher war das Concept Car nur als ein Elektroauto-Entwurf der Chrysler-Mutter Stellantis bekannt. Bei der diesjährigen New York International Auto Show hat Chrysler den Airflow wieder im Gepäck – diesmal in der Ausführung Graphite Concept. War die ursprüngliche Studie noch weiß lackiert, so ist das Graphite Concept schwarz. Außen gibt es jetzt einige kupferfarbene Akzente – so zum Beispiel an den 22-Zoll-Felgen. Der Innenraum scheint im Vergleich zu dem der ersten Studie unverändert – auch hier kommen ein paar kupferfarbene Akzente hinzu. In Sachen technischer Fakten bestätigt Chrysler immerhin ein paar Vermutungen: Das Auto basiert tatsächlich auf der STLA-Medium-Plattform des Mutterkonzerns Stellantis. Die Plattform ist für Elektrofahrzeuge aus dem sogenannten C- und D-Segment – also der Golf- und Passat-Klasse – gedacht. Sie steht ab 2023 allen Stellantis-Fahrzeugmarken zur Verfügung: Modelle von Alfa Romeo und Fiat über Peugeot und Opel bis hin zu Jeep und Ram können den Baukasten ebenfalls nutzen. Die Reichweite des Airflow soll bis zu 400 Meilen (644 Kilometer) betragen. In Form und Größe ist das Auto ein Konkurrent des seit Dezember 2020 ausgelieferten Ford Mustang Mach-E.

Typisches Elektro-Crossover-Design
Auch beim Design wird klar, dass sich der Chrysler Airflow im Konkurrenzumfeld von Mustang Mach-E, Hyundai Ioniq 5 beziehungsweise dessen Kia-Ableger EV6 oder VW ID.4/5 tummeln wird. Er zeigt ein ange-SUV-tes Erscheinungsbild mit langem Radstand und fließenden Formen sowie kaum Karosserie-Öffnungen, ein farblich abgesetztes Dach und schmale Leuchten. Für eine optimierte Aerodynamik erhält das Elektroauto klein dimensionierte Außenspiegel und versenkte Türgriffe. Zierrat aus Metall sucht man vergebens; solche Elemente, etwa das Markenlogo im kleinen Frontgrill, werden mit Licht dargestellt. Die Felgen messen rundum 22 Zoll. Dank kristalliner LED-Technik sind die Leuchten zu speziellen Animationen fähig.

Der auf der CES 2022 gezeigte Airflow Concept verfügt über Elektromotoren an jeder Achse, die jeweils 150 kW (204 PS) leisten und für einen Allradantrieb sorgen. Chrysler weist aber darauf hin, dass auch stärkere Motoren integriert werden können. Zudem dürfte es die spätere Serienversion auch mit einmotorigen Antriebs-Optionen geben. Die Batterie sitzt zwischen den Achsen tief unten im Chassis. Chrysler sieht für den Airflow eine Schnelllade-Option vor, hält weitere Informationen dazu bisher allerdings zurück.
Neue Software-Architektur
In Sachen Digitalisierung und Vernetzung fährt der Chrysler Airflow Concept das Modernste auf, was Stellantis zu bieten hat. Er kombiniert die neue STLA-Brain-Software-Architektur, die mit künstlicher Intelligenz glänzt, mit dem STLA-Smart-Cockpit. Dieses ist sehr luftig gestaltet und in der ersten Reihe mit vier Bildschirmen ausgerüstet: Vor dem Fahrer sitzt oberhalb des eckigen Volants ein Instrumenten-Display. In der Mitte sind ein großer Infotainment-Bildschirm und darunter ein weiterer Screen für die Klimaregelung und Ähnliches untergebracht. Ganz rechts gibt es noch einen separaten Monitor für den Beifahrer, der nicht über die Oberkante des Armaturenbretts hinausragt. Auch für die im Fond Sitzenden gibt es jeweils einen eigenen Bildschirm.

Die Displays des Beifahrers und der Fondpassagiere sind mit Kameras ausgerüstet, damit sie an Videokonferenzen teilnehmen können. Software-Updates erfolgen, wie mittlerweile üblich, drahtlos "over the air" (OTA). Je nach Bedarf oder eigenen Vorlieben soll man die Menüstruktur des Infotainment-Systems selbst konfigurieren können. Informationen und Anzeigen sollen per Wischbewegung auch von einem Monitor zum anderen übertragen werden können. Damit lässt sich beispielsweise ein Navigationsziel vom Beifahrer auswählen, dass er dann auf den großen Bildschirm schieben kann, damit der Fahrer der Routenführung folgen kann.
Viersitziges Interieur
Einzelne Interieur-Elemente bestehen aus recycelten Materialien oder entstehen auf pflanzlicher Basis. Chrysler verwendet aber auch Metalle sowie Leder für die Sitzbezüge. Die Sitze des Airflow sind schlank gehalten, wobei im Fond – getrennt von einer Mittelarmlehne – zwei einzelne Sitzgelegenheiten positioniert sind. Ein echtes Design-Element ist die vordere Mittelkonsole mit offenem Ablagefach im vorderen und schwebender Gestaltung im hinteren Bereich. Der Boden des in Sachen Fassungsvermögen nicht näher bezifferten Kofferraums lässt sich für eine leichtere Beladung einige Zentimeter herausziehen. Für Licht im Airflow-Cockpit sorgen das Panorama-Glasdach und eine indirekt ausgelegte sowie individualisierbare Ambiente-Beleuchtung.

Auch in Hinblick auf autonome Fahrfunktionen greift der Airflow Concept auf die neuen Möglichkeiten des Stellantis-Konzerns zurück. Die zu selbständigem Fahren nach Level 3 fähige Technologie heißt STLA Auto-Drive und ist im neuen Chrysler an Bord. Der Serien-Airflow soll also selbstbestimmt überholen, bremsen und beschleunigen können. Allerdings nur für einen gewissen Zeitraum: Sobald die Situation zu unübersichtlich wird, muss der Mensch hinter dem Steuer übernehmen. Das System ist ebenfalls OTA-fähig; zusätzliche Funktionen können also auch noch integriert werden, wenn das Auto bereits im Einsatz ist.
Wiederauferstehung der Marke Chrysler
Der Airflow ist für die Marke Chrysler, die vor nicht allzu langer Zeit sogar vor dem Aus gestanden haben soll, das erste neue Modell seit vielen Jahren. Der Hersteller soll innerhalb des Stellantis-Konzerns künftig sogar eine Vorreiterrolle einnehmen: Im Zuge der Airflow-Enthüllung kündigte Chrysler an, spätestens 2028 ein rein elektrisches Modell-Portfolio anbieten zu wollen.