Spanien räumt 2010 in der Sportszene mächtig ab: Ob bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, im Tennis durch Raphael Nadal oder bei der Tour de France durch Alberto Contador - die Südländer schwimmen derzeit auf der Erfolgswelle. Und jetzt hatte die spanische VW-Tochter noch die Gelegenheit, beim Werkstätten-Test von auto motor und sport mit einem Spitzenergebnis zu glänzen. Interessant dabei war auch die Frage, ob Seat an die Resultate aus den neunziger Jahre anknüpfen kann.
Seat mit 60 Prozent der Zweitschlechteste dieses Werkstätten-Tests
1992 erreichten die Spanier eine Erfolgsquote von 74 Prozent, vier Jahre später erzielten die getesteten Betriebe mit 85 Prozent sogar ein beachtliches Resultat. Um es vorwegzunehmen: 2010 ist Seat mit 60 Prozent der Zweitschlechteste dieses Werkstätten-Tests. Die aktuellen Einzelquoten reichen von 27 von 30 möglichen Punkten und dem Prädikat "empfehlenswert" bis zu einer kargen Nullrunde und dem Urteil "nicht empfehlenswert". Dazwischen reihen sich vier Betriebe mit "empfehlenswert" und zwei mit dem Ergebnis "nicht empfehlenswert" ein. Bevor der Testwagen zur großen Inspektion geht, werden sieben Mängel präpariert.
Für Mechaniker, die ihre Arbeit zuverlässig erledigen, sollte die Fehlerdiagnose kein Problem darstellen. Die Skala reicht vom unkorrekt eingestellten Scheinwerfer über eine ausgefallene Kennzeichenbeleuchtung bis zum defekten rechten Seitenblinker. Auch der zu niedrige Kühlflüssigkeitsstand, das eingerissene rechte Scheibenwischerblatt und eine fehlende Schraube am Unterfahrschutz sollten auffallen. Die Kontrolle des Reifenluftdrucks gehört ebenfalls zu den Prüfpunkten, für die eine Werkstatt ein Häkchen auf der Inspektionsliste machen muss.
Bester in der diesjährigen Seat-Runde ist die Automobilgruppe Dingolfing
Zwar erreicht die Automobilgruppe Dingolfing nicht die volle Punktzahl, glänzt aber mit guter Arbeitsqualität und kundenfreundlichen Mitarbeitern. Alle präparierten Mängel werden gefunden. Allerdings erfolgt kein Hinweis zu einer weiteren Kontrolle des Kühlmittelstandes. Das kostet das Autohaus die Note "sehr empfehlenswert". Weil das Fehlen der Betriebsflüssigkeit ein Indiz für eine mögliche Undichtigkeit darstellt und dringend beobachtet werden soll, muss der Kunde davon in Kenntnis gesetzt werden. Ein negatives Gegenbeispiel liefert Auto-Naumann in Witten. Der Servicebereich ist schmutzig, überall liegen Ersatzteilkartons auf dem Boden, und aus den Radio-Probier-Aufstellern hängen lose Kabel. Den schlechten Eindruck kann der freundliche Meister nicht lindern. Der Kunde erhält weder eine Auftragsbestätigung, noch wird eine Direktannahme durchgeführt. Pünktlich zum Abholtermin betreten wir den Servicebereich. Man habe den ganzen Morgen versucht, uns zu erreichen. Ein Blick auf das Handy zeigt aber nur einen verpassten Anruf noch während der Fahrt zum Autohaus.
Bei Auto Naumann wurde kein einziger Fehler entdeckt
Nicht nur der Inspektionstermin wird vergessen, sondern schlichtweg alles, was zu machen ist. Beim nächsten Anlauf nach zweieinhalb Stunden ist der Seat Ibiza dann abholbereit. Wir verlangen ein Inspektions-Protokoll. Die unleserliche Liste wird vor den Augen des Kunden wortlos abgehakt. Beim anschließenden Check stellen die Prüfingenieure fest: Kein einziger Fehler wurde entdeckt, und das bei Inspektionskosten von 204,29 Euro. Inklusive des Bremsflüssigkeitswechsels beläuft sich der Rechnungsbetrag bei Naumann auf 352,50 Euro. Der Ibiza wird mit defektem Blinker, verstelltem Abblendlicht, fehlender Unterbodenschraube, defekter Kennzeichenleuchte, zu niedrigem Luftdruck und zu wenig Kühlflüssigkeit auf die Reise geschickt.
Nur in drei Autohäusern nahm sich der Meister Zeit für eine Direktannahme
Dass dieses Malheur keine Seltenheit ist, zeigen zwei weitere Betriebe. Menge Automobile fällt mit elf Punkten und schlechtem Service ebenso durch das Raster wie Schirra mit 13 Punkten. Die übrigen vier Betriebe verdienen sich das Prädikat "empfehlenswert". Himbert erreicht 24 Punkte und damit das gleiche Niveau wie Schneider, wo zwar ordentliche Arbeit geleistet, aber beim Service - wie nur ein Stern in der Wertungsskala zeigt - nicht gerade mit freundlicher Kundenbetreuung geglänzt wird. Jeweils 22 Punkte erreichen Amore Automobile und Wulf. Allerdings fällt auch hier der Kundenservice nicht ausnahmslos positiv aus. Zu einer perfekten Dienstleistung vor der Inspektion gehört im Idealfall eine Direktannahme, aber nur in drei Autohäusern nahm sich ein Meister Zeit und inspizierte gemeinsam mit dem Kunden das Auto. Bewertet wird aber nur die Arbeitsqualität.
Den günstigsten Service gibt es im Autohaus Wulf
Testsieger Automobilgruppe Dingolfing stellt den Seat Ibiza ebenso auf die Hebebühne wie Amore Automobile in Berlin. So können schon vor der Inspektion mögliche Mängel erkannt und geklärt werden - meistens. Denn trotz ausführlicher Direktannahme im Beisein des Kunden findet das Autohaus Schirra nur einen Bruchteil der Mängel. Scheinbar nicht im Trend sind auch Auftragsbestätigungen. Nur drei Betriebe stellen einen Abholschein aus. Dafür führen bis auf zwei Betriebe alle Werkstätten eine Probefahrt durch. Beim Autohaus Schneider war der Seat Ibiza sogar elf Kilometer unterwegs. Menge Automobile erachtete eine Erprobungsfahrt für unnötig, kassierte aber mit 248,15 Euro den höchsten Inspektionspreis. Den günstigsten Service gibt es im Autohaus Wulf. Hier stehen nur 154,88 Euro auf der Rechnung. Hohe Kosten lassen sich schon bei der Abgabe des Wagens vermeiden, aber keine Werkstatt fragt nach der gewünschten Ölsorte.
Der Schock über die Kosten von 81,22 Euro für 3,5 Liter Schmierstoff bei Auto Schirra sitzt tief, zumal die Automobilgruppe Dingolfing nur knapp zehn Euro pro Liter berechnet. Zudem ist die Rechnung im Autohaus Schirra mit Kassenfüller wie Gummipflege für 2,95 Euro, Wartungsspray für 4,13 Euro und Teilereiniger für 3,49 Euro garniert. Ein kleines Beibrot gönnt sich auch Testsieger AVP Dingolfing. 4,94 Euro für Scheibenreiniger, obwohl der Behälter bei der Abgabe des Wagens randvoll war, lesen sich auf der Rechnung eher wie Trinkgeld.
In Unterhollerau werden Skoda-, Seat-, VW- und Audi-Modelle gewartet und repariert. Der Hof ist übersichtlich, die Auswahl an Parkplätzen ebenso. Beim Betreten der Kundenannahme wird der Kunde freundlich gegrüßt und sofort bedient. Die Frage nach der gewünschten Ölsorte bleibt allerdings aus – ansonsten wird der Kunde sehr gut über anstehende Wartungsarbeiten informiert. Für einen Kaffee bleibt keine Zeit, denn gleich im Anschluss fährt der Serviceberater den Ibiza auf die Hebebühne. Er erkennt sofort, dass der rechte Scheibenwischer eingerissen ist und der letzte Bremsflüssigkeitswechsel fünf Jahre zurückliegt.
Der Abholtermin wird nochmals telefonisch bestätigt. Bei der Abholung erklärt der Serviceberater die ausgeführten Arbeiten und anstehende Reparaturen. Dass er dabei nicht auf die weitere Kontrolle des Kühlflüssigkeitsstandes hinweist, kostet das Autohaus eine noch bessere Punktzahl.
auto motor und sport-Wertung: Empfehlenswert
Zufällig kommt man bei Himbert nicht vorbei, denn das kleine Autohaus liegt versteckt in einem Industriegebiet. Ist der Weg dorthin geschafft, lässt sich aber problemlos ein Parkplatz finden. Die Fahrzeugannahme geht zügig über die Bühne. Scheckheft? Fahrzeugpapiere? Sind die Scheibenwischer in Ordnung - oder gibt es sonstige nennenswerte Probleme? Die wichtigsten Fakten werden schnell beim Kunden erfragt, eine Direktannahme in Anwesenheit des Auftraggebers bleibt allerdings aus. Immerhin fährt der Serviceberater den Seat Ibiza bei der Abholung auf die Hebebühne und inspiziert ihn gemeinsam mit dem Kunden, demnächst anfallende Reparaturen erklärt er verständlich.
Dass dennoch nicht auf eine weitere Kontrolle des Kühlflüssigkeitsstands hingewiesen wird und die vorderen Scheinwerfer weiterhin nicht korrekt eingestellt sind, kann trotz der insgesamt guten Arbeitsqualität und der kompetenten Beratung nicht befriedigen.
auto motor und sport-Wertung: Empfehlenswert
In dem großen Autohaus ist die Belegschaft von der ganz schnellen Sorte. Die Annahme des angemeldeten Autos erfolgt in geschlagenen fünf Minuten - im Stehen vor den bereitgestellten Stühlen. Dabei wird lediglich nach dem Serviceheft gefragt. Ein Meister oder gar eine Hebebühne bleibt dem Kunden verwehrt. Immerhin - dafür könne das Fahrzeug schon in eineinhalb Stunden abgeholt werden. Die Mechaniker scheinen sich dann aber Zeit für unser Auto genommen zu haben. Zwar bleibt das eingerissene Scheibenwischerblatt ebenso unentdeckt wie die fehlende Schraube am Unterboden, ansonsten werden aber alle präparierten Mängel während der Inspektion gefunden.
Bei der Abholung erklärt eine Mitarbeiterin zügig die Rechnung und empfiehlt die regelmäßige Kontrolle der Kühlflüssigkeit. Anschließend wird abkassiert und der Kunde nach insgesamt sechs Minuten nach Hause geschickt.
auto motor und sport-Wertung: Empfehlenswert
Bei Amore stehen hauptsächlich Audi-Modelle im gepflegten Showroom, von dem man auch einen Blick in die Werkstatt werfen kann. Das Autohaus selbst befindet sich fast zentral in der Bundeshauptstadt. Eine gute Planung der Anfahrtszeit und der möglichen Rush-hour empfiehlt sich. Bei der Abgabe punktet das Serviceteam mit einer sehr freundlichen Begrüßung, Direktannahme und guter Beratung. Zudem gibt es Kaffee - der Kunde hat das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Leider verkehrt sich der gute erste Eindruck bei der Abholung ins Negative.
Eine halbe Stunde Wartezeit und eine gereizte Stimmung machen das Warten nicht zum Vergnügen. Letztendlich haben sich die Mechaniker aber sorgfältig um den Seat Ibiza gekümmert und ein ordentliches Gesamtergebnis erarbeitet. Der Tipp zur regelmäßigen Kontrolle des Kühlflüssigkeitsstands bleibt allerdings aus, und die Scheinwerfer leuchten immer noch falsch.
auto motor und sport-Wertung: empfehlenswert
Es ist nicht ganz einfach, vor dem Autohaus Wulf eine Parkmöglichkeit zu finden. Das Gelände ist sehr unübersichtlich, und so dauert es einige Zeit, bis ein Meister gefunden und der Seat gut geparkt ist. Am Showroom hängt ein Schild, der Kunde möge sich in der Werkstatt melden. Der Umgang mit dem Kunden läuft zwar etwas trocken ab, aber dennoch freundlich. Im Stand wird das Fahrzeug kurz auf dem Parkplatz inspiziert. Auch bei der Abholung ist es kein Leichtes, Personal zu finden.
Schließlich erklärt der Meister aber in aller Ruhe die Servicepunkte und informiert über anstehende Reparaturen. Das dauert unnötig lange, da nebenbei noch eine Kundenberatung am Telefon stattfindet. Das gute Ergebnis zeigt, dass der erste Eindruck nicht der schlechteste sein muss - eine etwas freundlichere Bürogestaltung übrigens würde ganz bestimmt vielen Kunden den Werkstattbesuch noch angenehmer machen.
auto motor und sport-Wertung: empfehlenswert
Das Saarbrückener Autohaus macht mit dem weiß gefliesten Boden im Verkaufsraum und der offenen Glasfront einen modernen Eindruck. Zwar ist der Empfang bei der Annahme nicht besonders freundlich, aber das Fahrzeug wird während der Auftragsannahme gemeinsam in der Werkstatt inspiziert. Weniger Aufmerksamkeit schenkt die Schirra-Belegschaft dem Kunden bei der Abholung. Es befindet sich zwar hinter der Theke ausreichend Personal, aber erst nach acht Minuten kommt die Frage "Sie wollen Ihren Wagen abholen? Der wird noch gewaschen".
Einen Warteplatz müssen sich die Kunden für die kommenden 15 Minuten selber suchen - wahlweise auch mit einem Kaffee für 30 Cent. Und obwohl eine Mitarbeiterin die Rechnung bei der Abholung ausführlich erklärt, scheint bei der Inspektion einiges schief gelaufen zu sein. Nur so lassen sich die bescheidenen 13 Punkte erklären.
auto motor und sport-Wertung: Nicht empfehlenswert
Die Werkstatt liegt nahe der Bochumer Shoppingmeile. Da bietet es sich an, den Wagen vor dem Einkauf abzugeben und nach der Inspektion wieder abzuholen. Einmal abgesehen davon, dass der Eingangsbereich keinen gepflegten Eindruck macht, laden die beiden durchgesessenen Stühle nicht zum längeren Verweilen ein. Das Serviceheft soll der Kunde selbst holen und gleich den Kilometerstand notieren. Der Herr an der Kundenannahme wirkt nicht eben begeistert über die neue Kundschaft. Eine Direktannahme ist nicht vorgesehen.
Während sich der Seat Ibiza bei der Inspektion befindet, kommt ein Anruf, um auf höhere Kosten hinzuweisen - 618,05 Euro, die auch aus kräftigen Kassenfüllern resultieren. Immerhin bemüht sich eine nette Dame bei der Abholung und rückt den Gesamteindruck etwas gerade. Die enorm hohen Kosten und die unzureichend durchgeführte Arbeit kann dies aber nicht kaschieren.
auto motor und sport-Wertung: Nicht empfehlenswert
Das Autohaus macht von außen einen ganz guten Eindruck. Doch im Schauraum beginnt der Zweifel, ob es sich wirklich um eine Seat-Vertragswerkstatt handelt. Überall liegen Kartons auf dem schmutzigen Boden, auf dem Tisch steht ein Aschenbecher, und die Annahme des Seat Ibiza läuft so nebenher. Eine Auftragsbestätigung erhalten wir nicht, lediglich einen Abholtermin. Die Ernüchterung kommt bei der Abholung: Der Auftrag wurde vergessen. Man habe schließlich viel zu tun, lautet die Entschuldigung für das Malheur, und der Abholtermin des Autos wird um weitere zwei Stunden verschoben.
Mit dem Testwagen scheint sich niemand ausführlich beschäftigt zu haben, sonst wäre zumindest einer der sieben präparierten Mängel aufgefallen. Mit null von 30 Punkten fällt die Arbeitsleistung grottenschlecht aus und zieht den Durchschnittswert der Seat-Werkstätten immens in den Keller.
auto motor und sport-Wertung: Nicht empfehlenswert