Citroën hat sich Zeit gelassen. Als letzter großer Hersteller haben die Franzosen ihr neues Rallye-Auto für die kommende Spielzeit den Blicken der Konkurrenz und der Weltöffentlichkeit ausgesetzt. Nach Toyota, Hyundai und dem privaten M-Sport-Team, das den Fiesta WRC entwickelt hat. Für einige Experten gilt der neue Citroën C3 WRC als das Auto, das es 2017 nach dem Ausstieg von VW zu schlagen gilt.
Citroën peilt erst 2018 den Titel an – offiziell
Citroën hofft, an alte Glanzzeiten anzuknüpfen. Die Marke gewann in der Rallye-WM bislang 96 Rennen und acht Marken-Titel (2003 bis 2005 und 2008 bis 2012). Mit Sébastien Loeb am Steuer bildete man das erfolgreichste Gespann der Rallye-Geschichte. Zwischen 2004 und 2012 räumte das Dream-Team neun Fahrertitel ab. Bis VW kam und mit dem Polo WRC und Sébastien Ogier die Dominanz brach und selbst die Erfolgswelle reitete.
Für 2017 schlüpft Citroën in die Favoritenrolle. Die Franzosen aber dämpfen die Erwartungen. „Wir wollen unter normalen Bedingungen Rennen gewinnen“, sagt Sportchef Yves Matton, der etwas Druck rausnimmt, indem er erst 2018 mindestens einen Titelgewinn fordert. Zumindest kommuniziert er es so nach außen.
Mit der Entwicklung des C3 WRC, der erstmals auf einem Fünftürer basiert, hat Citroën schon 2015 begonnen. Die Aerodynamik des Autos modellierte man am Computer (CFD) und im Windkanal, in den man ein 40-Prozent-Modell stellte. Im April flitzte der neue Rallye-Renner erstmals zu Testfahrten. Seither probierte Citroën den C3 WRC jeden Monat rund vier bis fünf Tage aus, um die optimalen Konfigurationen für Asphalt, Schotter und Schnee zu definieren. Insgesamt soll der C3 WRC gut 9.500 Testkilometer abgewetzt haben.

Citroën C3 WRC mit rund 380 PS
Reglementskonform startet der neue Rennwagen mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo durch. Weil das neue Reglement einen größeren Luftmengenbegrenzer gestattet (36 statt 33 mm) klettert die Leistung auf rund 380 PS. Ein gleich großer Restriktor wird auch in der Tourenwagen-WM WTCC verwendet, weshalb Citroën auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen konnte. Man will die innere Reibung des Vierzylinders mit Alu-Block verbessert haben. Das maximale Drehmoment, das über ein aktives Mitteldifferential zwischen den Achsen jongliert wird, übersteigt 400 Nm. Ford gibt für den Fiesta WRC zum Beispiel 450 Nm an. Man darf davon ausgehen, dass sich auch Citroën dieser Grenze nähert. Mit dem bislang kommunizierten Wert flunkert das Team wohl nur.
Die neue Rallye-Rennwagen-Generation darf minimal 1.175 Kilogramm wiegen. Im Vergleich zu 2016 entspricht das einem Gewichtsverlust von 25 Kilo. Geht man davon aus, dass der Citroën C3 WRC am unteren Limit schnuppert, liegt das Leistungsgewicht bei etwa 3,1 kg/PS.
In einer ersten Studie hatte Citroën die Fans auf die neuen Rennwagen heiß gemacht. Sie entsprach mit 1,90 Meter Breite aber nicht dem Reglement. Was der C3 WRC natürlich tut. Er ist 1.875 Millimeter breit und 4.128 Millimeter lang. Der Abstand zwischen den beiden angetriebenen Achsen beträgt 2.540 Millimeter.

Sperrspitze ist Kris Meeke
An der Frontschürze wachsen dem C3 WRC rechts und links zwei große Luftleitbleche und unten ein dicker Splitter. Die neuen Regeln, die die Rallye-Autos wieder aggressiver wirken lassen sollen, machen es möglich. Je nach Terrain, Asphalt oder Schotter, will Citroën sein Auto mit unterschiedlichen Teilen bestücken. Heißt: Auf Straßen kann mit großem Splitter gefahren werden. Auf Schotter erhöht sich die Gefahr, dass sich das Auto die Schnauze verletzt. Auf Asphalt rollt der C3 auf 18 Zoll großen Rädern. Im Schnee und auf Kies tobt er sich auf 15 Zöllern aus.
In der Seitenansicht fällt das große Loch auf, das vor dem hinteren Radkasten aufklafft, um die Bremsen zu kühlen. Im Heck wuchert ein doppelstöckiger Flügel, zwei Stockwerke darunter ein übergrößer Diffusor. Matton fühlt sich an die wilden Zeiten der Gruppe-B aus den 1980er Jahren erinnert. „Der C3 weckt die Erinnerungen an die Autos, die eine Generation von Rallye-Fans begeistert hat.“ Er fügt an: „Ich denke, dass die Rallye-WM auch in den letzten Jahren spektakulär war, aber an den Autos haben wir zweifelslos eine wilde Seite vermisst. Ich denke, die werden wir 2017 wieder sehen.“
Das Citroën Total Abu Dhabi WRT Werksteam will zwischen zwei und vier Gespanne pro Rallye loslassen. Sperrspitze ist Kris Meeke, der auch den Großteil der Tests schulterte und dessen Beifahrer Paul Nagle heiß. Die weiteren Paare: Craig Breen/Scott Martin, Stéphane Lefebvre/Gabin Moreau und Sheikh Khalid Al Qassimi/Chris Patterson.