Die Nürburgring-Nordschleife zieht Rennfahrer und Motorsportbegeisterte gleichermaßen in ihren Bann. Weil sie seit ihrer Eröffnung 1927 gefährlich ist. Weil sie keine Fehler verzeiht. Und weil sie sich Jahr für Jahr und Rennen für Rennen zu einem Mythos gemausert hat.
Heckantrieb schlägt Allrad
Für die Automobilhersteller stellt die Traditionsstrecke das perfekte Testumfeld dar. Auf der anspruchsvollen Berg- und Tal-Bahn mit rund 300 Meter Höhenunterschied vom tiefsten (Breidscheid) zum höchsten Streckenpunkt (Hohe Acht) können sie ihre Sportwagen auf Herz und Nieren testen. Auch im Supertest von sport auto ist die Nordschleife eine unverzichtbare Größe. In 18 Jahren Supertest-Geschichte jagte Horst von Saurma bereits alle möglichen sportlichen Fahrzeuge über die legendäre Piste. Mit dem Supertest 5/2015 übernahm Christian Gebhardt das Steuer – und die Rundenzeiten purzelten.

Unser Supertester durchbrach 2018 sogar die Schallmauer von sieben Minuten. Im Porsche 911 GT2 RS mit biturbogeladenem Sechszylinder-Heckmotor und 700 PS flog Gebhardt in 6:58 Minuten um die Nordschleife. Der stärkste Elfer beeindruckte nicht nur durch viel Leistung, sondern vor allem durch gute Fahrbarkeit, hohen mechanischen Grip, vergleichsweise viel Abtrieb und seine standfeste Keramikbremse.
Ferraris 488 Pista büßt auf den 20,6 Kilometern zwei Sekunden ein. Beim Einlenken verhält sich der 720 PS starke Supersportwagen weitgehend neutral. Am Kurvenausgang neigt der Pista zum Leistungsübersteuern. Die Keramik-Bremse arbeitet standfest und erlaubt späte Bremspunkte.
+++ Mehr zum Supertest des Ferrari 488 Pista lesen Sie in sport auto 11/2019 +++
Der dritte Platz geht wieder an einen Sportwagen aus Zuffenhausen. Dieses Mal mit Saugmotor. Porsches 911 GT3 RS der Modellgeneration 991.2 umrundete den Nürburgring sieben Sekunden langsamer als sein 180 PS stärkerer Turbo-Bruder. Damit stehen drei Hecktriebler auf dem Podest.
Fünf Hersteller in Top 10
Neben Porsche und Ferrari schaffen es auch Mercedes-AMG, Lamborghini und McLaren mit mindestens einem Fabrikat in die Top 10. Der aerodynamisch ausgefeiltere AMG GT R Pro unterbot die Rundenzeit des GT R um vier Sekunden. Eine Rundenzeit von 7:07 Minuten reicht für den vierten Platz. Dahinter sortiert sich der McLaren 720 S ein.
Für den McLaren läge durchaus eine bessere Rundenzeit drin. Dafür allerdings fehlt der letzte Schuss an Kompromisslosigkeit. Und ein waschechter Sportreifen. Weil mit dem für den 720S abgeschmeckten Pirelli P Zero Trofeo R aus unerklärlichen Gründen etwas nicht stimmte, wurde im Supertest auf dem P Zero Corsa gefahren.
Gebhardts Urteil: „Die Fahrwerksabstimmung ist für Trackday-Fahrer regelrecht zahm ausgelegt. Auch die Reifenwahl ist konservativ. Mit einer kompromissloseren Fahrwerksabstimmung und einem echten Sportreifen mit höherem Gripniveau könnte eine spezielle Track-Version die hohe Leistung in noch bessere Fahrdynamikwerte umsetzen. Schnell ist der McLaren 720S jetzt schon, aber es ginge noch schneller.“
Das Niveau wird von Monat zu Monat höher. Inzwischen muss ein Sportwagen mindestens eine Rundenzeit von 7:39 Minuten erzielen. Ansonsten ist kein Platz unter den 50 schnellsten Kandidaten drin.
Stand: Heft 11/2019