Das machte Ralph Alex, dem Chefredakteur von auto motor und sport, sichtlich Freude. Eine Plauderei mit dem Philosophen Rafael Capurro. Tief in den roten Sesseln auf der Bühne. Doch aus der lockeren Frage, ob Capurro in einem Autonomen Auto philosophieren wolle – Nein, das will er nicht, kein Ort zum Philosophieren – wurde rasch ein ernstes und wichtiges Gespräch über Moral und Ethik.
Denn zu beantworten war die schwierige Frage, wie denn ein autonom fahrendes Auto bei einem absehbaren und unvermeidlichen Unfall entscheiden soll. Soll es den Crash mit dem Kind eher vermeiden als den Zusammenprall mit der älteren Dame? Ein Dilemma. Eine Sache für den Philosophen.
Eine Frage der Verantwortung
"Es geht hier um Moral. Schon das Bremsen hat mit Moral zu tun“, so Capurro. "Die Frage ist, welche Sitten und Gebräuche installieren Sie in dem Auto? Nicht die Maschine entscheidet, sondern die Menschen, die bestimmte Sitten einprogrammieren.“
Das bedeutet: Die Programmierer entscheiden bereits, wie solch ein unvermeidlicher Unfall ausgeht. Die Philosophie "Ich bremse auch für Tiere" könne man also in solch ein System einbetten. Doch das werfe schon die Frage auf, welche Sitten weltweit verbreitet sind und welche nicht.
"Es kann sein, dass die Standardeinstellungen in Deutschland und Europa anders sind als in Asien", so der Philosoph. Und doch bleibe die Frage, wer die Verantwortung trage? Der Hersteller, der die Standards programmiert, oder der Autofahrer, der diese Standards akzeptiert?
"Zu was würden Sie uns raten?", hakte Chefredakteur Alex noch mal nach. "Die Autoindustrie sollte einen Think Tank gründen. Dort sollten Experten diese Fragen diskutieren und lösen." Diese Aufgabe müsse die gesamte Branche lösen. "Es ist keine Frage der Marken, sondern eine Frage des Autos."
Dass die Hersteller aber längst Systeme für das autonome Fahren entwickeln und schon auf der Straße testen, ohne die ethischen Fragen zu beantworten, davon hält Capurro gar nichts. "Erst mal tun, und dann denken? Das ist der falsche Weg."