Formel E Peking (Rennen): Di Grassi siegt, Heidfeld mit Horror-Crash

Formel E Peking (Rennen)
Di Grassi siegt, Heidfeld mit Horror-Crash

Das erste Formel E-Rennen hätte kein dramatischeres Drehbuch schreiben können. Denn die Szene des Rennens ereignete sich in der letzten Runde in der letzten Kurve. Nick Heidfeld setzte sich mit einem späten Bremsmanöver neben den bis dato führenden Nicolas Prost, Sohn des vierfachen Formel 1-Weltmeisters Alain Prost.

Doch der Franzose bemerkte den heranstürmenden Deutschen offenbar zu spät und manövrierte seinen eDams-Renner in Heidfelds Spur. Der 37-jährige Routinier verlor dabei die Kontrolle, rumpelte über einen Abweiser, der zu allem Überfluss das Elektroauto aushob.

Heidfeld landet in Tecpro-Schutzwand

Heidfeld landete nach einem Überschlag unsanft in der Tecpro-Schutzbarriere der 20. Kurve. Von seinem Auto schälten sich durch den Aufprall mehrere Teile, doch das Monocoque hielt stand. Nach ein paar Bangen Momenten konnten die Zuschauer aufatmen. Der Ex-Formel-1-Pilot kletterte ohne die Hilfe der Streckenmarshalls aus seinem Rennwagen. Vollgepumpt mit Adrenalin stürmte Heidfeld seinem Kontrahenten hinterher, um ihn zur Rede zu stellen.

Großer Profiteur des Horror-Unfalls war Lucas di Grassi. Der Brasilianer ging hinter Prost von der zweiten Startposition in den ersten Formel E-Lauf und konnte seine Verfolger-Position in der ersten Rennhälfte vor seinem Teamkollegen Daniel Abt halten. Im Zuge der Pflichtboxenstopps, wobei die Fahrer ihr Auto wechseln und wofür eine Mindestzeit von 1:47 Minuten (einmal durch die Box) vorgeschrieben war, fiel di Grassi hinter Heidfeld zurück.

In den verbleibenden 12 der insgesamt 25 Umläufe konnte di Grassi, der für Abt Sportsline startet, das Tempo der Spitze nicht ganz halten. Doch am Ende war das Glück auf seiner Seite. "Zuerst einmal bin ich froh, dass es Nick gut geht", sagte der Sieger. "Sein Unfall zeigt, dass die Autos auch mit der Elektrotechnik sicher sind. Ich habe den Unfall nicht wirklich gesehen. Als ich alleine auf die Zielgerade einbog, konnte ich es kaum glauben. Ein Traum ist für mich wahr geworden. So ist der Motorsport."

Abt erhält Strafe

Knapp hinter di Grassi sah Franck Montagny als Zweitplatzierter die schwarz-weiß-karierte Flagge. Der Andretti-Pilot kämpfte sich durch einige beherzte Manöver von seinem achten Startplatz aufs Podium. Als Dritter über den Zielstrich rollte Daniel Abt. Doch der Kemptener erhielt nach Rennende eine 57-Sekunden-Strafe (berechnet aus der Zeit für einen drive through penalty), weil er um 0,2 kW die maximal erlaubte Energiemenge von 28 kW/h an seinem zweiten Fahrzeug überschritt.

Die Ursache für die Fehlkalkulation lag einerseits an einer frühen Safety-Car-Phase, andererseits am Ausfall der Funkverbindung im späteren Lauf des Rennens begründet. Durch die Neutralisation zu Beginn konnten die Fahrer Energie sparen, und folglich mit dem ersten Auto länger auf der Strecke bleiben. Abt bog mit der Topgruppe erst in Runde 14 in die Garage ab. Der verlängerte erste Stint bedeutete gleichzeitig eine verkürzte zweite Hälfte, in der die Piloten mehr Energie pro Runde einsetzen konnten, als zuvor berechnet.

Abt hielt sich wegen der gestörten Funkverbindung, die das System eigentlich aktualisieren sollte, aber an den ursprünglichen Plan. Doch es kam ein weiteres Problem hinzu. Der Fahrer kann den Verbrauch im Cockpit nur eine Stelle nach dem Komma ablesen, also beispielsweise 2,0 kW/h pro Runde. Doch die FIA geht in ihrer Berechnung von mehreren Stellen nach dem Komma aus - also beispielsweise 2,099 kW/h pro Umlauf. Eigentlich kein großes Thema, wenn der Funk die Zahlen dementsprechend anpasst. So wurden Abt die Nachkommastellen zum Verhängnis.

Durch die Bestrafung rutschte er auf den zehnten Platz zurück. Den letzten Podestrang erbte Sam Bird. Dahinter sammelten noch Charles Pic, Karun Chandhok, Jérome d’Ambrosio, Oriol Servia, Nelson Piquet Junior und Stephane Sarrazin erste Meisterschaftspunkte.

Favorit Buemi ohne Punkte

Für einen der großen Favoriten auf den Sieg lief es ganz und gar nicht rund. Im Qualifying belegte Ex-Formel-1-Pilot und Toyota-Werksfahrer Sébastien Buemi nur den neunten Rang. Nach einem Getriebewechsel rückte der eDams-Pilot weitere zehn Plätze zurück. Im Rennen kam Buemi sieben Runden weit, ehe er die Boxen ein erstes Mal ansteuern musste. Nach kurzer Zeit in der Garage versuchte sich Buemi noch zwei Punkte für die schnellste Rennrunde zu sichern, wurde aber von Takuma Sato unterboten.

Das BMW i8-Safety-Car hatte bei der Formel E-Premiere einen erfolgreichen Einsatz. In der zweiten Kurve beschädigte sich Bruno Senna nach einem Kontakt mit einem der Amlin Aguri die linke Vorderradaufhängung. Der gestrandete Rennwagen musste daraufhin abgeschleppt werden, das Safety Car blieb für drei Umläufe auf der chinesischen Piste.