Bruno Spengler fuhr am Norisring mit seiner Mercedes C-Klasse, als könne er über Wasser gehen: Mit einer fehlerfreien Leistung holte der Kanadier im Nürnberger Schnürlregen seinen zweiten Saisonsieg. Zweiter wurde Spenglers Markenkollege Jamie Green vor Martin Tomczyk. Der Audi-Pilot musste seine Tabellenführung an Spengler abgeben. Der Mercedes-Fahrer hat nun drei Zähler Vorsprung auf Tomczyk.
"Das Team hat mich toll durch den Regen geleitet", berichtete Spengler nach seiner Glanzvorstellung. "Im ersten Stint war die Strecke ziemlich in Ordnung. Im zweiten Stint bin ich nur mit 85 oder 90 Prozent Einsatz gefahren. Das Auto ist ja dauernd quer gestanden."
Den Start hinter Safety-Car fand Spengler, der auch die Trainingsbestzeit markiert hatte, in Ordnung. "Es war sehr viel Wasser auf der Strecke, speziell auf der Start und Ziel-Geraden. Da war es eine gute Idee, dass wir hinter dem Safety-Car die Strecke ein bisschen trocken zu fahren."
Lob für Rennabbruch
Auch am vorzeitigen Abbruch wegen des stärker werden Regens hatten weder Spengler noch Mercedes-Sportchef Norbert Haug etwas auszusetzen. "Kompliment an Rennleiter Sven Stoppe und den DMSB", meinte Haug. "Es ist nicht leicht, unter diesen Umständen den Überblick zu behalten. Der Abbruch war die einzig richtige Entscheidung und das sage ich nicht, weil wir vorne lagen. Das Unfallrisiko ist einfach zu groß, wenn an bei 250 km/h Aquaplaning bekommt."
Audi-Rennleiter Wolfgang Ullrich stimmte zu: "Die Sicherheit der Fahrer muss oberste Priorität haben, keine Frage." Jamie Green, der Zweitplatzierte pflichtete bei: "Völlig richtig, denn wir hatten keine Gelegenheit, die brandneuen Regenreifen anzufahren. Ich hatte sogar hinter dem Safety-Car Aquaplaning."
Tomczyk wäre gerne weitergefahren
Lediglich ein Fahrer hätte es sich gewünscht, dass das Rennen nicht 18 Runden vor dem regulären Ende abgewinkt wird. Martin Tomczyk bewies an diesem trüben Sonntag, dass er in diesem Jahr wirklich ein ernsthafter Kandidat für den Meistertitel ist: Von Startplatz zehn aus fuhr der Bayer mit seinem 2008er Phoenix-Audi bravourös bis auf Rang drei nach vorne. "Wenn das Rennen noch etwas länger gedauert hätte, dann hätte ich die Spitze angreifen können."
Aber letztlich war Tomczyk doch mit der Bronze-Medaille hoch zufrieden: Denn mit Norisring stand der 29-Jährige bislang stets auf Kriegsfuß. "Diese Strecke ist mit ihren 100 Belagwechseln und den Bodenwellen einfach nicht für DTM-Autos gemacht", klagte er vor dem Rennen. "Es gehört hier einfach viel Glück dazu, diese Bodenwellen so zu treffen, dass das Auto beim Bremsen und beim Rausbeschleunigen aus den Spitzkehren nicht versetzt."
Spengler vs. Tomczyk um den Titel
Für die zweite Saisonhälfte zeichnet sich ein Zweikampf um den Titel ab: Bruno Spengler gibt sich beim Thema Meisterschaft eher zugeknöpft: "Ich will mich jeweils auf das nächste Rennen konzentrieren. In der DTM können sich die Dinge sehr schnell ändern." Spengler weiß, wovon er spricht. Im letzten Jahr büßte er einen 17-Punkte-Vorsprung ein und wurde nach oft eher zaghaften Vorstellungen in der zweiten Saisonhälfte am Ende nur Dritter.
Tomczyk hingegen ist in seiner elften DTM-Saison zum ersten Mal ein Titelkandidat, wiegelt aber ab: "Ja, der Timo Scheider liegt ja gar nicht so weit hinter mir." Der Meister von 2008 und 2009 hat sein Konto nach vierten Platz von Nürnberg auf 24 Zähler aufgemörtelt, zwölf weniger als Tomczyk. Phoenix-Teamchef Ernst Moser war mit den sechs Punkten seines Starfahrers überglücklich. Der Schwabe wusste schon vor dem Rennen: "Wenn wir den Norisring halbwegs anständig überstehen, ist alles möglich." Das ist ja mal eine klare Ansage.